Der Mord in Kassel 2006 und das Netzwerk der Vertuscher und Tatortreiniger

Der Mord in Kassel 2006 und das Netzwerk der Vertuscher und Tatortreiniger

 

Der hessische Geheimdienstmitarbeiter Andreas Temme wird am 30. Juni 2015 im NSU-Prozess in München als Zeuge gehört. Er befand sich am 6. April 2006 zur Tatzeit des Mordes in jenem Internet-Café in Kassel, als Halit Yozgat erschossen wurde. Laut Anklageschrift, der neunte rassistisch motivierte Mord, der dem NSU zugeschrieben wird.
Der Mord in Kassel weist zwei Besonderheiten auf: Zur Tatzeit war der hessische Verfassungsschutzmitarbeiter Andreas Temme in besagtem Internet-Café. Ein Verfassungsschutzmitarbeiter, der den Spitznamen ›Klein-Adolf‹ trug, einen ortsbekannten Neonazi als V-Mann führte, mit dem er vor und nach der Mordtat in telefonischem Kontakt stand.
Und es gibt eine weitere Besonderheit: Nach dem Mord an dem Besitzer des Internet-Cafés Halit Yozgat bricht die rassistische Mordserie ab. Aus der Logik der Täter ist dies nicht zu erklären. Geht es also um die »Kasseler Problematik«, in die Andreas Temme »ein bischen drinsteckt«, wie dies sein Vorgesetzter Frank-Ulrich Fehling, Chef der Außendienststelle des LfV in Kassel, in einem abgehörten Telefonat anklingen ließ? Was und wer verbergen sich hinter dem ganzen Rest?

 

netzwerk vertuscher Kassel 2006ff

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Der NSU-VS-Komplex | 3. Auflage | 231 Seiten |2015

Zuerst möchte ich mich bei allen bedanken, die dazu beigetragen haben, dass es zu dieser dritten erweiterten Auflage gekommen ist. Bei denen, die das Buch gekauft haben, bei jenen, die die weiteren Recherchen möglich gemacht haben, bei denen, die mir Mut machen, bei denen, die das Risiko teilen, aus all der Vagheit auszusteigen.

Verschenkt also das Buch, das ihr bereits habt, denn es lohnt sich hoffentlich für die, die ihr damit bedenkt. Die 3. Auflage ist um knapp 100 Seiten angewachsen, einige Kapitel sind neu dazugekommen und alle anderen Kapitel sind aktualisiert und ergänzt worden. Nur der Preis ist gleichgeblieben.

Wetzel_NSU_Cover_3.Aufl.indd Den Rest des Beitrags lesen »

19. 6. 2015 | Veranstaltung zum NSU-VS-Komplex in Mainz

Veranstaltung in Mainz am 19. Juni 2015 anläßlich der IMK | 19.00 Uhr

Der rassistische Mord an Halit Yozgat in Kassel 2006 unter Aufsicht eines Verfassungsschutzmitarbeiters.

Vortrag mit Wolf Wetzel, Autor von „Der NSU-VS-Komplex“.
Allianzhaus, Große Bleiche 60-62 in Mainz

Der rassistische Mord an Halit Yozgat in Kassel 2006 unter Aufsicht eines Verfassungsschutzmitarbeiters.

Es gibt zwei Gründe, einen Mord nicht aufzuklären. Der erste erfolgt aufgrund fehlender Zeugen und Indizien.
Der zweite Grund, einen Mord nicht aufzukären, besteht darin, die Mörder und Tatbeteiligten nicht finden zu wollen.
Genau das trifft für den Mord an Halit Yozgat in Kassel 2006 zu.

Ein Entschlüsselungsbeitrag zum Mordfall in Kassel 2006, der dem NSU zugeschrieben wird.

Im Juni 2015 erscheint die 3. Auflage des Buches Der NSU-VS-Komplex. Wo beginnt der Nationalsozialistische Untergrund – wo hört der Staat auf? Unrast Verlag 2015, 235 Seiten – mit neuen Beiträgen, u.a. zum Mord in Kassel 200.

Eine Veranstaltung im Rahmen der NoIMK

Zum Einlesen sei folgender Beitrag empfohlen:

Der parlamentarische Untersuchungsausschuss/PUA in Hessen – eine teure Waschanlage . Eine Weisssagung

Der Rechtsstaat im Untergrund Big Brother, der NSU-Komplex und die notwendige Illoyalität

                                                                       

Buchankündigung

Der Rechtsstaat im Untergrund
Big Brother, der NSU-Komplex und die notwendige Illoyalität

ISBN 978-3-89438-591-0

PapyRossa Verlag, Köln, ca. 180 Seiten, 13,90 Euro

Das Buch folgt drei Strängen, die bereits Anfang des 21. Jahrhunderts auf unterschiedliche Art sichtbar wurden.
Das erste Ereignis brachte nicht nur die Zwillingstürme in New York 2001 zum Einsturz, sondern auch die bisherigen politischen und ideologischen Koordinaten der vom Kapitalismus geprägten Weltordnung. Ein permanenter Kriegszustand, der mit Afghanistan und Irak angefangen hat und weder dort, noch anderswo aufhört. Und dabei rückt die deutsche Bundesregierung zielstrebig zurück ins erste Glied.
Der zweite Strang hat sich schleichend in die Geschichte des 21. Jahrhunderts eingeschrieben: Was in den 70er und 80er Jahren noch für Verschwörungstheorie gehalten wurde, ist heute technisch machbar und politisch gewollt: Die totale Erfassung und Überwachung der eigenen Bevölkerung. Während diese weitgehend illegale Praxis zwischen Leugnung und Legalisierung oszilliert, stellt sich die Frage: Haben wir (noch) etwas zu verbergen und wie schützen wir das?
Der dritte Strang verfolgt die Spur der neonazistischen Terror- und Mordserie des NSU (Nationalsozialistischer Untergrund). Dreizehn Jahre lang konnten nach offizieller Version Neonazis unerkannt morden. Seitden verbrennen Akten und es sterben Zeugen. Was ist von dem konstatierten Behördenversagen zu halten, wenn alle, die daran maßgeblich beteiligt waren, belohnt werden?

Sich nicht mit schnell-abfallender Empörung und noch flacheren Erklärungen abzufinden, ist wichtig. Es lohnt sich die Fragen zu stellen: Was verbindet die verschiedenen Komplexe miteinander? Gibt es ein gemeinsames Untergeschoß? Was war schon immer so (oder ähnlich), was ist daran anders?
Alle Kapitel dieses Buches haben diese Fragen vor Augen. Denn ihre Beantwortung hilft dabei, nicht an Türen zu klopfen, hinter denen sich nur noch Abstellkammern befinden. Oder mit falschem Werkzeug loszuziehen, wenn man z.B. glaubt, dass ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss – wie der aktuell tagende NSA-Ausschuss in Berlin – tatsächlich etwas aufklären kann und will.
Mit all diesen Ereignissen sind auch Empörungen, aber auch viel Ohnmacht verbunden. Die realen Kräfteverhältnisse kann ein Buch nicht verändern. Aber es kann dazu beitragen, sich einen ›roten Faden‹ zu legen, der uns dabei hilft, sich nicht zu verlieren, sondern zusammenzukommen.

Das Buch wird ca. 180 Seiten haben und wird im August 2015 erscheinen – mit der Möglichkeit der Vorbestellung:

Der PUA in Hessen – eine teure Waschanlage . Eine Weisssagung

Der PUA in Hessen – eine teure Waschanlage plus: Eine Weisssagung

Dass eigentlich alle Parteien gegen einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss waren, die in den NSU-VS-Komplex verwickelt sind, mit Ausnahme der Partei DIE LINKE, gehört zum Selbstverständnis dieses Parlaments. Schließlich war nach dem Willen der Mitverantwortlichen, all derer, die die politische Verantwortung für die Aufklärungssabotage im Fall des neunten NSU-Mordes tragen, alles ›ausermittelt‹, zu deutsch: nichts herausgekommen, außer … einem unguten Gefühl, das aber auch in Hessen nicht strafbar ist und mit dem alle (Aufklärer) gut leben können.

Andreas Temme (Bildmitte)

Andreas Temme (Bildmitte)

In Kassel ereignete sich am 6. April 2006 der neunte Mord, der dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) zugeordnet wird. Während der Mord an Halit Yozgat aus kriminalistischer Sicht professionell und kaltblütig ausgeführt wurde, scheinen alle Umstände drum herum – wieder einmal – dem puren Zufall geschuldet zu sein. Zu diesem zählt auch, dass abermals ein Mord ins ›ausländische Milieu‹ abgeschoben wurde. Dass »nie Richtung Rechtsextremismus ermittelt wurde« (FR vom 24.11.2011) bekommt im Mordfall Kassel eine besondere Bedeutung. Hätte man dies getan, wäre man u.a. auf den Escortservice des Verfassungsschutzes für Neonazis gestoßen. Was jedoch diesen Mordfall von allen anderen unterscheidet: Ein Verfassungsschutzmitarbeiter war zur Tatzeit in besagtem Internetcafe. Er heißt Andreas Temme, wurde in seiner Jugend auch ›Klein Adolf‹ gerufen und führte auf Duzebene einen Neonazi, der zum NSU-Umfeld zählt, als V-Mann. Benjamin Gärtner. Andreas Temme meldete sich nicht als Zeuge. Als er doch ermittelt wurde, behauptete er, dass er zur fraglichen Zeit nicht dort war. Als sich auch das nicht mehr halten ließ, erinnerte er sich, dass er nichts bemerkt habe, kein Schuss und keinen toten Internetcafebesitzer, der hinter seinem Schreibtisch lag, als Andreas Temme sein Geldstück zurückließ – auf einem Tisch, der voller Blutspritzer war.

 

Theke-Yozgat-Blut-Kassel 2006

Dabei wurde Andreas Temme weder von seinen Kollegen, noch von seinen Vorgesetzten alleine gelassen. Der Versuch, den Neonazi und V-Mann Benjamin Gärtner zu vernehmen, scheiterete am Veto des damaligen hessischen Innenminister Volker Bouffier. An dieser Deckungsarbeit beteiligten sich auch die ›Qualitätsmedien‹: Man kolportierte in Wort und Bild die Tragik eines Mannes, der zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen sei und nun auf kalt- und unbarmherzige Art und Weise Opfer von Zufällen werden sollte. Damit war der Fall Temme in trockenen Tüchern. Und dabei soll es bleiben. Dass sich nun seit Wochen alle ehemaligen und aktuellen Regierungsparteien jede erdenkliche Mühe geben, die aufgezwungene parlamentarischen Aufklärung ganz langsam, ganz ausdauernd, ganz konzentriert gegen die Wand zu fahren, ist quasi ihre Pflicht, ihre echte innere Überzeugung. Dazu gehört ganz besonders der nächste Montag. Den Rest des Beitrags lesen »

Aliens – Um den NSU-Untersuchungsausschuss in Baden-Württemberg ist ein gnadenloser Machtkampf entbrannt |Thomas Moser

Aliens. – Um den NSU-Untersuchungsausschuss in Baden-Württemberg ist ein gnadenloser Machtkampf entbrannt |Thomas Moser

Die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten sich: Erst sollte die Aufklärung des Polizistenmordes von Heilbronn, Mord Nummer zehn im NSU-Komplex, mittels der Ermittlungsgruppe Umfeld des Landeskriminalamtes (LKA) verhindert werden, dann mittels einer Enquête-Kommission im Landtag, nun durch einen Untersuchungsausschuss selber. Am 4. Mai 2015 nahm der Ausschuss den Tatort Theresienwiese in Heilbronn in Augenschein und ließ sich vom LKA-Vertreter Axel Mögelin Ermittlungsergebnisse schildern – und auf einmal scheinen alle Zweifel beseitigt. Der Mordanschlag auf die Polizistin Michèle Kiesewetter und ihren Kollegen Martin Arnold geschah doch so, wie es die Bundesanwaltschaft behauptet: Allein durch zwei Täter. Beispielhaft für das fast einhellige Presseecho die kleine taz-Schwester Kontext:

„Ein einziger Spaziergang von gut zwei Stunden hat den baden-württembergischen NSU-Untersuchungsausschuss einer Lösung seiner Aufgabe nähergebracht, die Umstände der Ermordung von Michèle Kiesewetter aufzuhellen. Die Begehung der Heilbronner Theresienwiese konnte die bisherige Zwei-Täter-Theorie der ermittelnden Behörden nicht erschüttern. Eher im Gegenteil.“

IM Gall (SPD) bei der Arbeit

IM Gall (SPD) bei der Arbeit

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V-Mann und V-Mann-Führer | Beitrag von Thomas Moser

V-Mann und V-Mann-Führer | Beitrag von Thomas Moser

Vorwort
Die Gedächtnisleistung siamesischer Zwillinge
Wenn V-Mann-Führer und V-Mann exakt dieselben Erinnerungslücken haben, dann teilen sie sich nicht (aus Kostengründen) ein Gedächtnis.
Immerhin: Der V-Mann-Führer konnte sich gerade noch daran erinnern, dass er Mitarbeiter im Verfassungsschutz in Brandenburg war und der Neonazi Carsten Szczepanski konnte sich daran erinnern, dass er als Spitzel für diesen angeschafft hatte.
Für beide hat sich das gelohnt. Der ehemalige V-Mann-Führer Gordian Meyer-Plath ist heute Chef des Verfassungsschutzes in Sachsen und der als V-Mann geführte Neonazi Carsten Szczepanski befindet sich in einem kostspieligen Zeugenschutzprogramm.

Wolf Wetzel

 

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