Ab in die Anstalt …. Der NSU-VS-Komplex

Die Anstalt und der NSU-VS-Komplex

 

Die Satire-Sendung ›Die Anstalt‹ widmete sich am 26.5.2015 dem Ge-Heim!Dienstwesen in und mit der BRD – wieder einmal exzellent in Szene gesetzt, mit Wortwitz, bitterer Ironie und mit einem Gespür für Details:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2407406/Die-Anstalt-vom-26.-Mai-2015

oder bei youtoube (in Auszügen):
Auf deutschem Boden gilt deutsches Recht | Die Anstalt vom 26.05.2015: https://www.youtube.com/watch?v=exO_-umPSd4
Angela Merkel und ihre Geheimdienste BND, BfV & MAD | Die Anstalt vom 26.5.2015: https://www.youtube.com/watch?v=jnHGX3eBQCA

Ein ausgezeichneter Obduktionsbericht.
Zum Beispiel der Umstand, wie man mit Skandalen nicht untergeht, sondern aufblüht …
Frage: »Wie machen Sie das, dass nach jedem Skandal Ihr Etat erhöht wird?«
Antwort: »Das ist … geheim.«
Oder die Frage nach der Demokratie …
BoND fragt im Vorhof der Bundeskanzlerin: »Kann ich jetzt rein?«
Antwort: »Nö, die ist beschäftigt. Die Demokratie ist im Haus.«
BoND zeigt sich irittiert und neugierig: »Ach, gibt’s die noch?«
Oder die Frage nach dem kriminellen Führungspersonal des Verfassungsschutzes …
»Acht von zwölf Präsidenten des Verfassungsschutzes hatten Dreck am Stecken. Im Grunde genommen müßten die sich eigentlich selbst als kriminelle Vereinigung einstufen.«


Die Anstalt zeigt dazu ein eigens erstelltes Fahndungsplakat mit den dazugehörigen Straftatbeständen:

Verfassungsschutzpräsident Otto Hahn – Hochverrat
• Verfassungsschutzpräsident Hubert Schrubbers – NaziJustiz
• Verfassungsschutzpräsident Günther Nollau – Ausspähung des Bundeskanzlers
• Verfassungsschutzpräsident Richard Meier – fahrlässige Tötung
• Verfassungsschutzpräsident Heribert Hellenbroich – Landesverrat
• Verfassungsschutzpräsident Ludwig Holger Pfahls – Steuerbetrug
• Verfassungsschutzpräsident Eckardt Werthebach – Geheimnisverrat
• Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm – Ermittlungsbehinderung, Aktenvernichtung

Oder die Frage nach dem staatseigenen Untergrund in Form gedeckter Nazis und geführter Neonazis. So wurde der Kriegsverbrecher Eichmann durch den BND geschützt, indem er seinen Aufenthaltsort verheimlichte …
»Eichmann ist doch schon lange her … Wir haben doch ganz frische Nazis, haufenweise, die jahrelang unter den Augen des Verfassungsschutzes geraubt und gemordet haben.«
Der Mann vom BfV widerspricht: »Moment einmal, der NSU waren drei Fanatiker …«
(Dazu wird die erste Grafik eingeblendet)

Anstalt-Grafik-I
»Ich habe gehört, dass es sich dabei eher um ein ganzes Nazi-Netzwerk gehandelt haben soll …«
(Dazu wird die zweite Grafik eingeblendet)

 

Anstalt-Grafik-II
Der Mann vom BfV bessert nach: »Ja, wir waren aber ganz nahe dran …«
Der Mann vom BND krätscht dazwischen: »Puhh, das ist gut … Ich würde sogar sagen, dass er mittendrin war, anstatt nur dabei, die Hälfte der V-Leute waren vom Verfassungsschutz …«
Die dritte Grafik wird eingeblendet.

Anstalt-Grafik-III

Die dort gezeigten Grafiken wurden der Satiresendung ›Die Anstalt‹ zur Verfügung gestellt.
Im Laufe der Recherchen zum Buch ›Der NSU-VS-Komplex‹ stellte sich mir – wie vielen anderen auch –die Frage, wie man bestimmte Schlussfolgerungen/Zwischenergebnisse anschaulich komprimieren kann, ohne die Komplexität und Vielschichtigkeit zu verwischen.
Aus diesen Überlegungen ist die Idee erwachsen, drei Grafiken zu erstellen, die die verschiedenen ›Perspektiven‹ zum NSU-VS-Komplex präsentieren:
Das erste illustriert die Version der Generalbundesanwaltschaft, der Anklage und des OLG in München, aber auch der meisten Medien: Der NSU bestand aus drei Mitgliedern, zwei sind tot und das Letzte schweigt.
Die zweite Grafik dokumentiert das Selbstverständnis des NSU, der sich immer als ›Netzwerk von Kameraden‹ verstanden hat und versteht: »Der Nationalsozialistische Untergrund ist ein Netzwerk von Kameraden mit dem Grundsatz Taten statt Worte«.
Die Namen, die wir ausgewählt haben, benennen Neonazis, die politisch und ideologisch das Konzept der ›führerlosen‹ Terrors unterstützt haben und die den NSU durch zahlreiche Unterstützungsleistungen ermöglicht und getragen haben: durch die Bereitstellung von Wohnungen, Papieren, Geld, Waffen u.sw.. Sie stehen auch auf der (konspirativen) Telefon- und Adressliste, die in der Garage in Jena 1998 gefunden wurde und das ›Who is who‹ der Neonazisszene abbildet.
Die dritte Grafik soll die Wirklichkeit wiedergeben: denn einige Neonazis, die zum Netzwerk des NSU gehör(t)en, waren nicht nur ›Kameraden‹, sondern auch V-Leute der Polizei und des Verfassungsschutzes bzw. des Bundesnachrichtendienstes/BND. In welchen Quantität und Qualität der NSU vom Staatsanteil durchzogen ist, gibt diese dritte Grafik sicherlich eindrucksvoll wider.
Auch hier haben wir nicht alle bislang namentlich bekannten V-Leute im Nahbereich des NSU aufgeführt, sondern eine Auswahl getroffen – die man sicherlich ggf. ergänzen/anders treffen kann.
Diese Grafiken komplettieren auch die 3. Auflage des Buches , das im Juni erschienen ist:

Wolf Wetzel
Der NSU-VS-Komplex. Wo beginnt der Nationalsozialistische Untergrund – wo hört der Staat auf? Unrast Verlag 2015/3. Auflage
Ein Album zum NSU-VS-Komplex findet sich hier: http://www.ipernity.com/doc/wolfwetzel/album/796332

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