Das vergeigte Jahrzehnt

 

Die Krise vor der Krise

 

 

»Schön, dass Ihre Reformen jetzt als Vorbild für ganz Europa gelten – oder?

Ich kann jedenfalls nicht sagen, dass es mich ärgern würde.«

(Interview mit dem Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder/SPD, FAS vom 25.11.2012)

 

Im allgemeinen Verständnis und in der Wahrnehmung vieler beginnt die Krise, die zu Recht als die schwerste nach dem Zweiten Weltkrieg eingeschätzt wird, irgendwo um das Jahr 2008 herum.

Tatsächlich begann sie für die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland schon lange davor.

Da Krisen jedoch nur dann als solche bezeichnet werden, wenn das Kapital, die Business Class davon betroffen ist, spielte sie in der (ver-)öffentlichen Wahrnehmung keine Rolle.

Doch es lohnt sich, auf die zehn, fünfzehn Jahre davor zurückzublicken, um zu verstehen, warum Deutschland von allen anderen europäischen Staaten die Krise 2008ff nicht nur bravourös und ohne große Proteste überstanden hat, sondern auch behaupten kann, dass zumindest die Business Class dieses Landes gestärkt aus der Krise hervorgegangen ist.

Den Rest des Beitrags lesen »

Alles geht kaputt, alles geht kaputt … und ich lache?

Zwischen dem Kampf um Verbesserungen innerhalb des

Bestehenden und einer radikalen Kritik des Bestehenden liegt

nicht Verrat, sondern ihre Konkretion


Am Schießstand rot-grüner, schwarz-gelber Regierungspolitik

Seit Jahren wird eine Reform-Salve nach der anderen abgefeuert. Den Projektilen werden Liebesgrüße eingeritzt: Hartz I, II, III, IV, Agenda 2010 … Es fehlt nur noch 9/11.

Das Tempo ist atemberaubend, an Munition wird nicht gespart. Mal geht der Schuss ins Knie, mal in die Hüfte[1]… Deckung suchen, Fluchtwege ausfindig machen ist für viele erschöpfender Alltag. In den Gefechtspausen verteilen rot-grüne Schützen auch mal Verbandspflaster (Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe, Anhebung der Zuverdienstgrenze für ALG-II-BezieherInnen) und Placebos (ab 2006 müssen Manager börsennotierter Aktiengesellschaften ihre Bezüge offen legen). Sie selbst nutzen die Ruhephasen, studieren die Wirkung, verändern den Schusswinkel, optimieren die Munition, bilden neue Kanoniere aus …

SPD kaputt sparen

Die reformistische Linke beklagt ›unnötige‹ Härten, hebt die verstreuten Hülsen auf – und feilt das Kaliber der Reformprojektile von sieben auf Sechskommafünf Millimeter herunter.

Die radikale Linke scheint unbekümmert dazustehen. Sie berechnet cool die Flugbahn der Projektile, analysiert deren Durchschlagskraft … um dann wieder aufs Ganze zu gehen: »Revolution ist großartig – alles andere ist Quark!«[2]

Den Rest des Beitrags lesen »