Neun Morde – sechs tote Zeugen

„Im Angebot als Todesursachen sind (…) zwei Suizide, einer aus Liebeskummer, einer einfach nur so, außerdem die Lungenembolie einer 20-Jährigen und der „unerkannte Diabetes“ eines V-Mannes im mittleren Lebensalter. Der starb, so die offizielle Version, aus heiterem Himmel am Zuckerschock.“

Ganz offensichtlich konnte selbst die Reporterin der Welt-Gruppe, Hannelore Crolly, dieses Zeugensterben nur mit Sarkasmus aushalten.

Als diese Zeilen im Februar 2016 geschrieben wurden, waren es vier – und wenn man den „Selbstmord“ des Arthur Christ hinzunimmt, fünf.

  • Arthur Christ, 18 Jahre, offizielle Todesursache „Selbstverbrennung“
  • Florian Heilig, 21 Jahre, offizielle Todesursache „Selbstverbrennung“
  • Thomas Richter, 38 Jahre, offizielle Todesursache „Zuckerschock“
  • Melisa Marijanovic, 20 Jahre, offizielle Todesursache „Lungenembolie“
  • Sascha Winter, 31 Jahre, offizielle Todesursache „Selbstmord“

Nun ist eine sechste Zeugin tot. Der PUA in Baden-Württemberg verschweigt ihren Namen. Der Journalist Thomas Moser gibt ihren Namen mit Corinna B. aus Ludwigsburg an:

„Sie starb am 2. Februar 2017. In den 1990er Jahren zählte sie zur rechtsextremen Szene der Stadt und war zeitweise die Freundin von Hans-Joachim S., dessen Name sich auf der bekannten Adressliste von Uwe Mundlos befindet. Vor allem Mundlos und Beate Zschäpe besuchten ab Mitte der 90er bis Anfang der 2000er Jahre regelmäßig ihre Kameraden in Ludwigsburg. Bei solchen Treffen war auch Corinna B. dabei.“

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Sechste (potenzielle) Zeugin im NSU-VS-Komplex in Baden-Württemberg verstorben

Am 8. Februar 2017 wurde der Tod einer weiteren potenziellen Zeugin in Baden-Württemberg bekannt.

Es ist die sechste Zeugin, die für den NSU-VS-Komplex in Baden-Württemberg von Bedeutung war. Sie ist noch namenlos. Die anderen haben Namen:

  • Arthur Christ, 18 Jahre
  • Florian Heilig, 21 Jahre
  • Thomas Richter, 38 Jahre
  • Melisa Marijanovic, 20 Jahre
  • Sascha Winter, 31 Jahre

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An dieser ganzen Sache ist etwas faul – Tod von Sascha Winter

Ich hatte das Glück, Kontakt zu einer langjährigen Freundin von Sascha Winter zu bekommen. Die verschiedenen Gespräche, die wir geführt haben, habe ich in folgendem Beitrag zusammengefasst:

Sandra W. (der richtige Namen ist der Redaktion bekannt) ist eine sehr gute Freundin von Sascha Winter gewesen: „Sascha und ich haben uns bereits 2004 kennen gelernt, auf einem Gras- und Sandbahnrennen – damals war er noch Beifahrer bei einem Gespannfahrer.“
Als Sascha mit dem plötzlichen Tod seiner Verlobten, Melisa Marijanovic, konfrontiert war, war er niedergeschlagen, manchmal vielleicht auch mutlos. In dieser Phase hatten Claudia und Sascha sehr intensiven und sehr vertraulichen Kontakt. Denn Claudia konnte sich in seine Niedergeschlagenheit gut einfühlen und somit waren sie in dieser schwierigen und wackligen Zeit so etwas wie Seelenverwandte. Claudia kann sich sehr genau an diese von Trauer geprägte Zeit erinnern, auch daran, dass Sascha an der Todesursache gezweifelt hatte. Doch er behielt die Zweifel und was er damit gemacht hat, für sich. Doch so langsam fing sich Sascha wieder, was Claudia auch daran festmachte, dass er wieder ganz in seinem Lieblingssport aufging: Moto-Cross-Rennen. Das führte dazu, dass Claudia für ihn mögliche Moto-Cross-Strecken ausfindig gemacht hatte, da Sascha Lust auf neue Strecken hatte. Das war im Oktober letzten Jahres.
Noch an seinem Geburtstag, den 19. Januar diesen Jahres hatten sie Kontakt. Er wirkte alles andere als lebensmüde.

„Es ist für mich unvorstellbar, dass er sich selbst das Leben genommen haben soll.“

Das ist auch der Grund, dass Claudia diese Zweifel nicht für sich behalten will, auch wenn sie spürt, wie viele Angst haben, wie viele, die sie bisher kontaktiert hatte, auf ihre Fragen nicht antworten. Dazu gehört auch die Frage: Wer soll diesen „elektronischen Abschiedsbrief“ bekommen haben? Sie hat ihn jedenfalls nicht bekommen. Sie weiß aber eines recht sicher: „Warum hätte er dies per Mail tun sollen? Das sieht Sascha so gar nicht ähnlich.

Dass Melisa Marijanovic eine kurze Beziehung zu Florian Heilig hatte, erfuhr Claudia erst nach dem Tod von Melisa.

„Ob Sascha etwas zu dem ganzen Thema wusste oder nicht kann ich leider nicht sagen. Aber er wird bestimmt mit seiner Verlobten darüber gesprochen haben.“

Wolf Wetzel

 

Warum sterben – rund um den NSU – so viele (potenzielle) Zeugen in Baden-Württemberg?

aktualisiert am 26.2.2016

Dass in Baden-Württemberg ganz junge Menschen auf ganz merkwürdige Weise ums Leben kommen, kann reiner Zufall sein. Dass diese Menschen alle potentielle und tatsächliche Zeugen im NSU-VS-Komplex waren bzw. gewesen wären, ist alles, nur kein Zufall.
Nun gibt es ein viertes Opfer, Sascha Winter, 31 Jahre aus Kraichtal.
Seine Verlobte Melisa Marijanovic starb vor knapp einen Jahr, mit 20 Jahren. Laut Obduktionsbericht soll sich das so zugetragen haben: Melisa Marijanovic hatte einen kleinen Motorcross-Unfall, bei dem sie sich das Knie geprellt hatte. Sie ging zum Arzt, zwei Mal wurde eine Thrombosevorsorge gemacht. Am 28. März 2015 findet sie ihre Freund, Sascha Winter, mit Krämpfen in ihrer gemeinsamen Wohnung. Jede Hilfe kam zu spät.
Nun ist auch ihr Freund und Verlobter tot.

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Blutspur der Nichtaufklärer

Blutspur der Nichtaufklärer

Angeblicher Selbstmord aus Liebeskummer: NSU-Zeuge Florian Heilig hatte wohl weitgehend glückliche offene Beziehung

Die Kommunikation des NSU-Zeugen Florian Heilig in der Nacht vor seinem Tod widerlegt die Behauptung, er habe sich aus Liebeskummer selbst umgebracht. WhatsApp-Nachrichten, die er in dieser Nacht mit seiner Freundin tauschte, sprechen eine andere Sprache. Der 21jährige hätte am 16. September 2013 zum Mordanschlag auf zwei Polizeibeamte in Heilbronn 2007 aussagen sollen, verbrannte aber an diesem Tag in seinem Auto.

Viereinhalb Jahre galt der Polizistenmord als unaufgeklärt. Seit November 2011 gilt er als gelöst: Es sollen die Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gewesen sein, die als ausführende Haupttäter des »Nationalsozialistischen Untergrunds« (NSU) zudem neun Migranten ermordeten. Die erschossene Beamtin Michèle Kiesewetter und ihr verletzter Kollege seien Zufallsopfer gewesen. Nur die beiden toten NSU-Terroristen hätten diese Tat ausgeführt. Spätestens seit September 2013 gerät diese Theorie ins Wanken.

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Offener Brief an den PUA in Baden-Württemberg

Sehr geehrter Herr Letsche,
ich wollte Ihr Angebot, mich an Sie zu wenden, doch nutzen – mit der Bitte, mein Anliegen weiterzuleiten.
Wahrscheinlich hat Sie die Nachricht über den Tod der Zeugin Melisa Marijanovic am Wochenende auch erschrocken. Wie Sie wissen, recherchiere ich seit drei Jahren zu den NSU-Morden und habe so auch die Familie Heilig kennengelernt. Die Zweifel an der Selbstmordthese sind mir damals sehr nahe gegegangen und ich habe in der Folgezeit mit deren Hilfe versucht, mir ein eigenes Bild zu verschaffen. So bin ich u.a. auf den Fahrlehrer gestoßen. Ich halte in der Summe der mir vorliegenden Indizien Selbstmord für den unwahrscheinlichsten Geschehensablauf.
Ich möchte die (endgültige) Todesursache bei Melisa M. außen vor lassen. Ich weiß nur, dass die nächste Zeugin ›Bandini‹ ähnliche berechtigte Ängste hat wie sie Melisa M. geäußert hatte. Bei letzteren Zeugin kenne ich weitgehend ihre Geschichte (…) und die Bedeutung ihrer Aussagen, die sie machen kann (dem LKA und dem PUA liegt ein Protokoll dieser Erinnerungen vor).
Sie wissen oder sollten wissen, dass es letztes Jahr einen Anlauf gab, ›Bandini‹ in ein Zeugenschutzprogramm zu nehmen. Das wurde abgelehnt.
(…)

PUA-Stuttgart-2015

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Zehn NSU-Morde und drei tote Zeugen

Zehn NSU-Morde und drei tote Zeugen

(aktualisiert am 1.4.2015)

Am 28. März 2015 wurde »eine 20-jährige Zeugin im Prozess um den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) tot in ihrer Wohnung aufgefunden.« Laut Polizeiangaben wurde sie von ihrem Lebensgefährten mit Krampfanfällen in der Wohnung gefunden. Die herbeigerufenen Ärzte konnten ihr Leben nicht retten. Einem vorläufigen Obduktionsbericht zufolge sei sie an einer Lungenembolie gestorben.

Wie eine 20-Jährige an einer Lungenembolie sterben kann, erklärten die Ermittler auch. Sie habe sich vier Tage zuvor eine Prellung im Knie zugezogen, die auch ärztlich behandelt wurde, wozu auch eine Thrombosevorsorge zählte. Diese sollte jedoch nicht verhindern, dass sich ein Thrombus gelöst habe, der letztendlich die Lungenembolie verursacht habe.
Genau so sehen das Dr. Tobias Wagner/Staatsanwalt und Fritz Bachholz/Erster Polizeihauptkommissar in einer gemeinsamen Pressekonferenz vom 30.3.2015.

Es ist die dritte Zeugin, die aufgrund von gemachten Aussagen zum NSU-VS-Komplex, stirbt. Sie heißt Melisa Marijanovic.

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