Nachdem der Urlaub vorbei ist, möchte ich zu einer Reise durch die Bewegungen der letzten Jahre und durch die Theoriegeschichte der zurückliegenden dreißig Jahre einladen:
Waren die Unruhen in den Banlieues in Frankreich, in Tottenham/England 2011 Vorboten einer aufständischen Epoche, die das Diktat aus Kapitalismus, Erschöpfung und Alternativlosigkeit aufzukündigen begann?
Zu Beginn der schwersten Krise des Kapitalismus nach dem Zweiten Weltkrieg war der Protest noch marginal. Das änderte sich 2011 gewaltig: Was jahrelang ein randständiges Dasein fristete, erfasste die Zentren der europäischen Metropolen. Der Widerwille, die Verhältnisse hinzunehmen, bewegt sich vom Rand in Richtung Zentrum.
In Spanien erobern Hunderttausende die Straße zurück, besetzen Plätze und geben den Nicht-Repräsentierten, den Namenlosen eine Stimme: los indignados. In den USA entstand eine ähnliche Bewegung, von occupy wallstreet bis occupy-oakland…
Bei aller Unterschiedlichkeit eint sie die Ablehnung aller politischen Parteien und aller (sozialpartnerschaftlicher) Gewerkschaften sowie die Suche nach neue Formen der Selbstbestimmung. Der Kritik an der Delegation von Macht folgen erste Ansätze direkter Demokratie: Die Einrichtung von Versammlungen, von horizontalen Strukturen.
Die erste Begeisterung, der Sommer des Ausnahmezustandes ist vorbei.