Über den Zusammenhalt von Unschuldigen und Verrückten – nicht nur in den USA

Über den Zusammenhalt von Unschuldigen und Verrückten

Es gibt eine wunderbare Kolumne von Mumia Abu-Jamal, der seit Jahren in US-Gefängnissen sitzt.

„Neues Stadium im innerstaatlichen Krieg

Die Ereignisse nach dem 5. Juli finden immer noch ihren Widerhall im kollektiven Bewusstsein der Nation. Die durch kein Handeln der Opfer provozierten Morde von Polizisten an Alton Sterling und Philando Castile in den Straßen des Mittleren Westens und Südens der USA und die darauf folgenden tödlichen Schüsse auf Polizisten in Texas zeigen uns, dass im längsten innerstaatlichen Krieg der Vereinigten Staaten von Amerika ein neues Stadium erreicht ist. Niemand weiß, wie das einmal enden wird.

Das Problem der Polizeigewalt ist natürlich nicht neu. Schon als Reverend Martin Luther King Jr. in den 1960er Jahren die Proteste gegen die Rassentrennung in Selma, Alabama, anführte, waren die eingesetzten Polizisten nicht dazu da, das Demonstrationsrecht zu schützen und den Demonstranten zur Seite zu stehen. Nein, sie schlugen brutal auf sie ein, weil sie gegen die ungerechten Gesetze der weißen Vorherrschaft verstießen. Sie prügelten wahllos auf Männer und Frauen ein, um die Privilegien der Weißen zu schützen. Die Edmund-Pettus-Brücke, über die der Marsch nach Selma führte, war danach blutgetränkt.

Heute bleiben Polizisten selbst dann völlig straflos, wenn sie Menschen im Dienst töten – schwarze Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder wie Mike Brown, Rekia Boyd, Tamir Rice, Eric Garner und viele andere. Den Tätern passiert nichts. Geheim tagende staatsanwaltschaftliche »Grand Jurys« und nicht ganz so im geheimen zu Gericht sitzende Richter erkennen immer wieder auf »Totschlag aus Notwehr«, und die »Killer cops« werden befördert. »Gute Arbeit« – und nichts weiter.

Medien, Politiker und Polizei nennen Micah Xavier Johnson, der in Dallas, Texas, fünf Polizisten erschoss, einen »Verrückten«. Er sei »geistesgestört« gewesen, wie es ein prominenter Politiker ausdrückte. Aber wenn er ein »Verrückter« war, was hat ihn dazu gemacht? Hielt man ihn für verrückt, als er ausgesandt wurde, im Namen des Imperiums in Afghanistan Menschen zu töten? Vielleicht wurde er dort ja zu gut trainiert.

Unterdrückung macht Menschen verrückt. Sie treibt Leute in den Wahnsinn. Sie verwandelt Menschen mit ruhigem Verstand in Irre, deren Hirn von Zorn, Wut und Verbitterung aufgefressen wird. Medien, Minister und Politiker belegen Johnson jetzt mit allen möglichen Namen und verwünschen ihn, aber ihre Flüche erreichen ihn nicht mehr. Sein Leben war längst schon verflucht, weil er als »Nigger« in den Vereinigten Staaten von Amerika geboren wurde. Das war Fluch genug.

1951 verfasste der großartige Dichter der »Harlem Renaissance«, Langston Hughes (1902–1967), sein Gedicht »Harlem«, in dem es heißt:

Was geschieht mit einem aufgeschobenen Traum?

Vertrocknet er wie eine Rosine in der Sonne?

Oder eitert wie ein Geschwür – und verrinnt?

Stinkt er wie faulendes Fleisch?

Oder verkrustet und verzuckert er wie süßer Sirup?

Vielleicht sackt er nur ab

wie eine schwere Last.

Oder explodiert er?

Quelle: Junge Welt vom 25.7.2016

Ein längerer Betrag findet sich auch hier: Der stille Krieg im eigenen Land

 

 

 

 

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