Offener Brief an den PUA in Baden-Württemberg

Sehr geehrter Herr Letsche,
ich wollte Ihr Angebot, mich an Sie zu wenden, doch nutzen – mit der Bitte, mein Anliegen weiterzuleiten.
Wahrscheinlich hat Sie die Nachricht über den Tod der Zeugin Melisa Marijanovic am Wochenende auch erschrocken. Wie Sie wissen, recherchiere ich seit drei Jahren zu den NSU-Morden und habe so auch die Familie Heilig kennengelernt. Die Zweifel an der Selbstmordthese sind mir damals sehr nahe gegegangen und ich habe in der Folgezeit mit deren Hilfe versucht, mir ein eigenes Bild zu verschaffen. So bin ich u.a. auf den Fahrlehrer gestoßen. Ich halte in der Summe der mir vorliegenden Indizien Selbstmord für den unwahrscheinlichsten Geschehensablauf.
Ich möchte die (endgültige) Todesursache bei Melisa M. außen vor lassen. Ich weiß nur, dass die nächste Zeugin ›Bandini‹ ähnliche berechtigte Ängste hat wie sie Melisa M. geäußert hatte. Bei letzteren Zeugin kenne ich weitgehend ihre Geschichte (…) und die Bedeutung ihrer Aussagen, die sie machen kann (dem LKA und dem PUA liegt ein Protokoll dieser Erinnerungen vor).
Sie wissen oder sollten wissen, dass es letztes Jahr einen Anlauf gab, ›Bandini‹ in ein Zeugenschutzprogramm zu nehmen. Das wurde abgelehnt.
(…)

PUA-Stuttgart-2015


Aus diesem Gründen möchte ich Sie bitten, die Frage nach dem Schutz der Zeugin ›Bandini‹, die am 13. April geladen ist, im PUA zu diskutieren. Sie wissen, dass ihre Angst vor Bedrohungen sehr konkret und präzise zu verifizieren ist.
Ich möchte nicht, dass der Schutz, die Notwendigkeit eines Schutzes für diese Zeugin unbesprochen bleibt – ganz unabhängig davon, welche Schlussfolgerung die Zeugin ›Bandini‹ selbst aus dem angesprochenen Todesfall zieht.

Mit der dringlichen Bitte, diese Anliegen genau zu prüfen, verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

31.3.2015 | Wolf Wetzel«
Simon Letsche ist Richter und Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Untersuchungsausschuss ›Die Aufarbeitung der Kontakte und Aktivitäten des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) in Baden-Württemberg und die Umstände der Ermordung der Polizeibeamtin M. K.‹

Hintergrund dieses Offenen Briefes ist der Beitrag: Zehn NSU-Morde und drei tote Zeugen

Advertisements

Eine Antwort to “Offener Brief an den PUA in Baden-Württemberg”


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s