Der Tod eines Zeugen in Baden-Württemberg – Die Indizienkette für ein Mordgeschehen schließt sich

Der Tod eines Zeugen in Baden-Württemberg – Die Indizienkette für ein Mordgeschehen schließt sich

Es geht um die Frage, ob Florian Heilig in Bad Cannstatt Selbstmord begangen hat oder – der offiziellen Zählweise folgend – das 11. Mordopfer ist. Den Ermittlern zufolge soll sich Florian Heilig aus Liebeskummer mit Benzin übergossen und dann selbst verbrannt haben. An dem Tag, an dem er Aussagen aus dem Jahr 2011 wiederholen bzw. präzisieren wollte.

Dieses Motiv gibt es nicht – aber eine Waffe.


Nach dem Willen der ermittelnden Staatsanwaltschaft in Stuttgart stand der Suizid fest, bevor Ermittlungen aufgenommen, bevor sie offiziell abgeschlossen wurden. Dafür hatte man unter anderem ein Motiv, das nur die ›Ermittler‹ kannten: Liebeskummer. Dass man dazu nicht einmal die frühere Freundin Melissa M. befragt hatte, eine Person, die es wissen müßte, ist bereits Ausdruck dreisten Desinteresses.
Aufgrund der gegenteiligen Erklärungen aus dem Kreis der Familie Heilig ermittelte man nun doch ›nach‹, wie ein LKA-Mitarbeiter im PUA in Baden-Württemberg am 13.3.2015 ausführte. Man habe die ehemalige Freundin nun doch angetroffen und sie habe auch etwas gesagt: Sie seien insgesamt vier Wochen ›zusammen‹ gewesen. Vielmehr könne sie zu dieser Beziehung nicht sagen. Kurzum, sie spielte in ihrem und im Leben von Florian Heilig kaum eine Rolle.

Die Waffe als Lebensversicherung

Nun schließt sich die Indizienkette in Richtung ›Fremdverschulden‹, also in Richtung eines Mordgeschehens weiter. Ein ganz wichtiges Beweisstück ist hinzugekommen.
Im Auto, in dem sich Florian Heilig verbrannt haben soll, wurde kein Autoschlüssel im Zündschloss, keine Wohnungschlüssel im Innenraum, aber auch nicht in Tatortnähe gefunden. Beides zusammen hatte Forian Heilig an einem Schlüsselbund. Und dieser war ungewöhnlich umfangreich. Florian Heilig lief immer mit mehr als zwanzig Schlüsseln herum.
Aufgrund des Fehlens aller Schlüssel würde sich für jede Ermittlung, die das Wort verdient, die Frage stellen: Ist möglicherweise eine zweite Person im Besitz des Schlüsselbundes? Und könnte die Person identisch mit der sein, die an einem denkbaren Mordgeschehen beteiligt war?
Diese Fragen müßten Ermittler stellen, diesen müßten sie nachgehen. Sie haben nichts getan.
Die andere Frage, die sich in diesem möglichen Szenarium anschließt, ist ebenfalls von großer Bedeutung: Warum sollten sich Pesonen mit einem Gegenstand ›belasten‹, der sie mit einem Mordgeschehen in Verbindung bringen könnte. Logischerweise gehen Täter nur dann dieses Risiko ein, wenn sie mit diesem Schlüsselbund etwas anfangen wollen, wenn sie sich erhoffen, mit diesem Schlüsselbund an etwas heranzukommen, was sie suchen, was sie möglicherweise schwer belasten könnte.

Ein sehr belastbares Motiv

Das Motiv dafür ist jetzt bekannt. Ein Motiv, das mehr aushält als das Motiv ›Liebeskummer‹. Es besteht aus Metall und ist eine Waffe. Eine Heckler & Koch, der Marke USP, mit der Seriennummer: xxxxx F18344.

HK-USP„USP | Universell einsetzbar
Die USP wurde speziell für militärische- und behördenspezifische Aufgaben konzipiert und entwickelt.

Das Resultat spricht für sich: Die USP ist universell einsetzbar, äußerst funktionssicher in der Anwendung und Garant für eine hohe Zuverlässigkeit und Präzision im Schuss.“ (Produktwerbung von Heckler & Koch)

Diese Waffe war im Besitz von Florian Heilig, der in seiner Neonaziszeit auch als ›Waffendepot‹ benutzt wurde. Einige andere Waffen, die sich in seinem Zimmer im Lehrlingswohnheim in Heilbronn befanden, wurden 2011 beschlagnahmt. Diese Waffe hingegen hatte Florian Heilig zu dieser Zeit nicht bzw. befand sich an einem anderen Ort. Florian Heilig bezeichnete sie als ›Lebensversicherung‹.
Ob Florian Heilig am 15./16. September 2013 dazu gezwungen werden sollte, diese Waffe auszuhändigen, ob er sich geweigert hatte, seine ›Lebenversicherung‹ aus der Hand zu geben, müssen die polizeilichen Ermittler herausbekommen.
Genauso geduldig sollte man sein, es der Polizei zu überlassen, herauszubekommen, wem diese Waffe gehört, wem sie gestohlen wurde, ob mit ihr geschossen wurde.
Für all das sollte man der Polizei die nötige Zeit geben – und einer Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen nicht sabotiert, sondern garantiert, also ihrer Aufgabe gerecht wird.
Diese Waffe ist nun auf dem Weg zum parlamentarischen Untersuchungsauschuss in Baden-Württemberg – Ausdruck des großen Misstrauens, das die Familie Heilig in die Polizei und ihre Aufklärungsarbeit hat.

Indizien sprechen gegen Suizid | Tageszeitung Junge Welt vom 16.3.2015

Wolf Wetzel
Der NSU-VS-Komplex. Wo beginnt der Nationalsozialistische Untergrund – wo hört der Staat auf? Unrast Verlag 2013, 2. Auflage

Dieser Beitrag setzt die Recherche folgenden Beitrages fort: Zweifel an Polizeiversion – Wenn Mord die wahrscheinlichere Todesursache ist

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2 Antworten to “Der Tod eines Zeugen in Baden-Württemberg – Die Indizienkette für ein Mordgeschehen schließt sich”


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