Christian Kapke und ein unerwünschter Kontext

Christian Kapke hat mir am 20.2.2014 folgende Nachricht zukommen lassen:

»Auf Ihrer Website (einzusehen unter: https://wolfwetzel.wordpress.com/2013/09/04/der-mordanschlag-auf-polizisten-in-heilbronn-2007-drei-plus-x/) befindet sich ein Kommentar des Autors „Alexander Gronbach“. Dort werde ich mit vollem Namen genannt.
Einerseits ist überhaupt nicht erkennbar, warum mein Namen erwähnt wird, andererseits möchte ich nicht in diesem Kontext genannt werden.
Ich wäre Ihnen daher sehr dankbar, wenn Sie meinen Namen im entsprechenden Kommentar entfernen oder abkürzen.

Mit freundlichen Grüßen |Christian Kapke«

Wer ist Christian Kapke?

»Christian Kapke selbst war seit Juni 2000 Vorsitzender des Thüringer Landesverbandes der ›Jungen Landsmannschaft Ostpreussen‹ (JLO), die den jährlichen Naziaufmarsch zur Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 organisiert. Sein Bruder André Kapke ist organisatorischer Leiter des ›Fest der Völker‹, das internationale Nazi-Event in Jena seit 2005. Kapke, der in der Vergangenheit in der Neonaziorganisation ›Thüringischer Heimatschutz‹ organisiert war, hielt gemeinsam mit dem Pressesprecher der Veranstaltung und NPD-Mitglied Patrick Wischke den Polizeikontakt. Ralf Wohlleben NPD-Thüringen war Anmelder und Moderator der Veranstaltung.

Christian-Kapke-ganz links-Gera-1999

NPD-Aufmarsch in Gera 1999 – Christian Kapke ganz links im Bild

Laut ›Future‹, der Zeitung des Jenaer Infoladens war Christian Kapke aktiv als Mitglied im Thüringer Heimatschutz, Mitglied der NPD, Mitglied der Jungen Landsmannschaft Ostpreußen und im Landesvorstand in Thüringen, Mitglied des rechtskonservativen Arbeitskreises Christlicher Publizisten ACP, Gitarrist, Sänger und Texter der rechtsextremen Balladentruppe Eichenlaub und Anti-Antifa-Aktivist. Heute versucht er sich ein bürgerliches Äußeres zu geben. Auf nonpop.de stellt er sich als Homepagegestalter und mehr vor und will von seinen Aktivitäten nichts wissen.« (http://newdawnfades.blogsport.de/category/christian-kapke)

In welchem Kontext möchte also Christian Kapke nicht vollnamentlich erwähnt werden? Der Absatz im Kommentar von Alexander Gronbach ist folgender:

»Das BKA wusste seit dem 10.November 1996, d.h. schon 15 Jahre vor Auffliegen des TRIOS und NSU von einer Kooperation mit dem TLfV. (TELEX BKA Wiesbaden – Geheim – zu Zulieferung seitens Innenministerium Thüringen vom 10. November 1996)

Wer nun André Kapke los gesendet hat steht noch offen. Sicher ist, er wird verdächtigt, dass er am Tattag den 4.November 2011 in Eisenach mit Mundlos und Böhnhardt zusammen traf.
NfD – Beamter Hans Dieter Kotara BfV Köln vom 10 November 2011, Zeugenvernehmung des André Kapke vom 25. November 2011, NfD – Erkenntnisbericht des TLKA – Stand 11. September 2011 (…) Zeugenvernehmung eines Christian Kapke vom 27 Juni 2012

Keine Frage: In welchem Kontext diese Zeugenvernehmung stand, was Christian Kapke damals gesagt hat, zu was er befragt wurde, kann nur Christian Kapke beantworten. Erst dann ließe sich klären, in welchem Zusammenhang Christian Kapke zum NSU-Komplex steht und in welchem Kontext Christian Kapke berechtigerweise nicht genannt werden möchte.

Auf einem Blog, den Christian Kapke neu eingerichtet hat, findet sich eine Erklärung, die seine vollständige Abkehr von neonazistischen Ideologien und Strategien des Terrors dokumentieren soll:

»Mit diesen Zeilen möchte ich Stellung zu meiner früheren Mitgliedschaft in der sog. ›rechten Szene‹ nehmen. Ich halte diese Stellungnahme für wichtig und notwendig, weil mein Name gelegentlich in der Öffentlichkeit erscheint und jegliche Versuche meinerseits eine objektive und nicht politisierte Klarstellung herbeizuführen gescheitert sind. Meine eigene, ganz persönliche Auseinandersetzung mit meiner politischen Vergangenheit hat dazu geführt, dass ich dieses Thema offensiv angehen und nicht unter den Teppich kehren möchte, sondern offen und ehrlich damit umgehe. (…) Ich war im Alter von 16 bis 20 Jahren Anhänger der rechtsextremen Szene Jenas. (…) 2000 stieg ich aus dieser Szene aus und habe heute nichts mehr mit diesen Gruppierung und dem entsprechenden Gedankengut zu tun.(…) Ich lehne die damaligen totalitären Ansichten sowie rassistische, homophobe und antisemitische Einstellungen entschieden ab! (…) Ich distanziere mich hiermit ausdrücklich und unmissverständlich von jeglichen rechtsextremistischen Gruppierungen und Gesinnungen! Vielmehr möchte ich positiv an der Gesellschaft mitarbeiten und meinen Teil dazu beitragen, dass Konzepte der Ungleichwertigkeit von Menschen keine Verbreitung finden.« (http://christiankapke.wordpress.com)

Was meint Christian Kapke mit »sogenannten rechter Szene«? Wie würde er sie bezeichnen?

Und wie kann man seinen Ausstieg 2000 verstehen, wenn man diesen mit einem ›Hinweis‹ aus demselben Jahr vergleicht?

Auszug aus dem Erkenntnisstandbericht des LfV Thüringen vom 30. 11.2011 (Az. 293-S-400062-000140/11 VS-NfD)

»Hinweis vom 01.02.2000
Am Rande einer Schulungsveranstaltung der NPD in Eisenberg/TH am 29.01.2000 habe Ralf WOHLLEBEN erwähnt, dass weiterhin allein SCHULTZE Telefonkontakt zu „den Dreien” halte. Dies jedoch nur im Notfall, weil SCHULTZE entgegen der Absprache über den Telefonkontakt mit Dritten (Ronny ARTMANN, Jana APPEL) gesprochen habe. „Dies gefährde die gesamte Aktion und insbesondere ihn [WOHLLEBEN], Holger GERLACH sowie Thorsten HEISE, weil sie (die Drei) in nächster Zeit weggebracht werden sollen.”
Während einer Schulungspause sei Christian KAPKE [Bruder des André KAPKE] von einem damals namentlich nicht bekannten B&H-Angehörigen aus Chemnitz angesprochen worden. Dieser habe geäußert, man brauche sich keine Gedanken zu machen, den ›Drei‹ gehe es gut. Daraufhin sei er sofort von WOHLLEBEN verärgert mit dem Hinweis darauf, dass „dies hier keinen etwas anginge”, unterbrochen worden. Die Chemnitzer B&H-Leute seien mit einem Pkw mit dem Kennzeichen C-ND 88 angereist. (…)

Korrespondenz vom 23.02.2000, Verfasser: TLfV
In einem Schreiben an das LfV Sachsen teilt das TLfV mit, dass ein Hinweisgeber des TLfV mittels Lichtbildvorlage den Gesprächspartner von Christian KAPKE und WOHLLEBEN am 29.01.2000, als Andreas Karl GRAUPNER, geb. 11,10.1974 in Lobenstein, identifiziert habe.«

Die Aufforderung also, seinen vollständigen Namen aus dem Kommentar zu entfernen, macht folglich eher auf den Kontext neugierig, in dem er nicht erwähnt werden möchte.

Sodenn soll in besagten Kommentar sein Name nur noch in Form Christian K. erscheinen. Vielleicht ist das ein Weg, dass Christian Kapke seinen angekündigten Teil dazu beiträgt, »dass Konzepte der Ungleichwertigkeit von Menschen keine Verbreitung finden«.

Wolf Wetzel

Der NSU-VS-Komplex. Wo beginnt der Nationalsozialistische Untergrund – wo hört der Staat auf? Unrast Verlag 2013, 180 Seiten, 2. Auflage

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7 Antworten to “Christian Kapke und ein unerwünschter Kontext”

  1. tutnichtszursache Says:

    Christian Kapke hat auch fleißig im Forum des Thüringer Heimatschutzes gepostet. Und zwar unter dem Pseudonym „boing“, aber mit eigenem Foto! Die Belege sind hier verlinkt:
    https://nsuquellen.wordpress.com/2014/02/20/ralf-wohlleben-tino-brandt-und-der-thuringer-verfassungsschutz/
    Es zeigt sich, wie tief Christian Kapke in der Szene war, aber auch, dass er sich damals mit Wohlleben und seinem Bruder Christian (User „Hati“) zerstritten hat.

  2. Alexander Gronbach Says:

    Es ist schon lustig Wolf Wetzel wie Du mit meinem Namen hausieren gehst aber dann meine Posts nicht veröffentlichst?

    und was diesen Nazi und BfV Spitzel Christian Kapke angeht, was ich damals gepostet habe sind „Geheimakten“ aus VS wo er eindeutig als Hinweisgeber benannt wurde.

    Nochmals zum mitlesen – in diesen VS NfD Akten wird der Type mit vollem Namen genannt, soll sich bei seinen Handlern im BfV beschweren! In der Vernehmung vom 27 Juni 2012 geht Christian Kapke auf seine Spitzeldienste ein.

    NfD – Beamter Hans Dieter Kotara BfV Köln vom 10 November 2011, Zeugenvernehmung des André Kapke vom 25. November 2011, NfD – Erkenntnisbericht des TLKA – Stand 11. September 2011 (…) Zeugenvernehmung eines Christian Kapke vom 27 Juni 2012.«

    Fragt doch einfach mal diesen Christian Kapke welchen Deckname er trägt :o))

  3. Wolf Wetzel Says:

    Ich wiederhole es ungern zum x-ten Mal: Kommentare, egal von wem! sollten für alle LeserInnen verständlich und nachvollziehbar sein. Es reicht eben nicht, dass man etwas „anders“, „besser“ weiß.
    Ich glaube nicht, dass ich mit dem Namen Alexander Gronbach“ haussieren gehe… ich glaube nicht, dass das sonderlich hifreich wäre.
    Wolf Wetzel

  4. E. Rother Says:

    @Alexander Gronbach, @Wolf Wetzel – es wäre interessant zu erfahren, von wann bis wann Christian Kapke als V-Mann tätig war, und ob diese Tätigkeit auch noch zu seiner Zeit als Verantwortlicher der Online-Musikmagazine „Lichttaufe“ und „Nonpop“ (die dem oft als rechtlastig assoziierten Musikgenre „Neofolk“ nahestehen) sowie Organisator der „Flammenzauber“-Musikfestivals bestand. Soviel übrigens zur Schutzbehauptung, Kapke sei 2000 aus der rechten Szene ausgestiegen. Wissen Sie da etwas genaueres?

    MfG
    E. Rother

  5. Wolf Wetzel Says:

    Danke für den Hinweis. Wie Sie richtig beschreiben, wird der „Ausstieg“ wie im Kosmetiksalon entschieden. Er hat nichts mit der Wirlichkeit zu tun. Die mögliche V-Mann-Tätigkeit zu belegen, hat das BfV in einer Großaktion „erledigt“: Fast alle Akten und Treffberichte zu V-Leuten im NSU-Nahbereich wurden ab 2000 vernichtet. Fällt etwas auf: Ab 2000 beginnt die Mordserie und ab 2000 ist auch die staatliche Beihilfe in Form von V-Männern z.B. Beihilfe zu Mord. Meist ist es ein Zufall oder eine undichte Stelle, die nötig ist und jetzt noch hilft.
    Wolf Wetzel

  6. Alexander Gronbach Says:

    Ja – ja, der Christian Kapke, der damals nicht genannt werden wollte! Und heute sitzt er im OLG München und spricht von „Geheintreffen“ mit der Nazitrulla Edda Schmidt und dem NSU – BfV Bastelteam aus Thüringen?

    Geschenkt, ebenso wie diese Melisa Marijanovic, diese Spitzelin die auf Florian Heilig angesetzt war, diese angeblich linkslastige Albanerin laut Presse und Familie Heilig eh? Die inzwischen eine gefestigte nationale Kroatin darstellt und laut Mobiltelefone/WhatsApp. Florian Heilig um Mitternacht zum späteren Tatort gelockt hat? Habe ich etwas verpasst?

    Und anstatt diese Dame mal zu befragen, weshalb sie Florian Heilig zum Tatort in Bad Cannstadt gelockt hat (Marcus Frntic? Standarte Württemberg? alias NSS???) gibt’s ne nichtöffentliche Sitzung damit diese Spitzeldame nicht Tachteles reden muss?

    Lassen wir einfach die Akten/Fakten sprechen ……
    _______________________________________________________

    hier. PUA Stuttgart, Befragung der rechtsextremen Deutsch-Kroatin Melisa Marijanovic durch den Untersuchungsausschuss.
    1.
    Laut den zwei Mobiltelefonauswertungen des Florian Heiligs hatte diese o.g. Marijanovic den Florian Heilig an den späteren Tatort einbestellt. Beleg – Whatsapp und Mobiltelefone. (u.a. Nummer 0176-73297679)
    2.
    Die Behauptungen der Presse, Familie Heilig u.a. dass es sich bei der o.g. Marijanovic um eine Albanerin handeln würde ist schlichtweg erlogen. Es handelt sich eindeutig um eine Rechtsextreme (siehe Facebookeintragungen zu SS und Ustascha) sowie einer aktiven Person im Kreise des Deutsch-Kroaten Marcus Frntic, sie war aktiv in der Standarte Württemberg u.a.
    3.
    Die Behauptung der o.g. Marijanovic gegenüber der Familie Heilig, dass Sie seitens der Ermittlungsbehörden vernommen wurde sind falsch. Vielmehr ist eindeutig in der Ermittlungsakte (Zweitakte NfD VS) bei Sachbearbeiter Wengerek vermerkt auf Seite 2 des internen Ermittlungsbericht dass –
    die Wohnanschrift der Melisa Marijanovic geb. 23.03.1996 in Sinsheim – wohnhaft in 75056 Sulzfeld, Mühlbacherstrasse 59 aufgesucht wurde. Obwohl PKW der eindeutig des Vaters gehörte (eisblauer BMW) vor Türe stand wurde nicht geöffnet.
    Später wurde vermerkt (entgegen den Tatsachen) dass die Beziehung schon Wochen vor dem Mord aufgekündigt war, dies wurde in einem Vermerk behauptet, dass dies die Familie Heilig behauptet habe (was eindeutig eine Lüge ist!)
    Bei einer weiteren Fahrt eines Beamten Bartsch wurde wieder keine Person an dieser Wohnanschrift aufgefunden (so die Akten) und somit wurde diese Melisa Marijanovic zu keinem Zeitpunkt (gewollt oder ungewollt) in irgendeiner Art und Weise befragt, angerufen u.a.
    Es stellt sich so langsam die Frage, ob nicht staatliche Stellen in die Ermordung von Florian Heilig eingebunden waren! Da er von der Informantin in der Tatnacht an diesen Platz in Bad Cannstadt einbestellt worden ist!
    4.
    Liegen uns – ähm – Unterlagen vor, dass die Melisa Marijanovic als Informantin auf den ermordeten Florian Heilig angesetzt worden ist! Was sagen Sie dazu?
    _____________________________________________________

    Mal davon abgesehen, dass dieser Hajo Funke seltsamerweise Teil dieser Unterschlagungen und Vertuschungen ist!!!!

  7. simon Says:

    C-ND 88

    Was bedeutet das ND im Kennzeichen? Habe ein mit Sonnenkreuz, also Neonazi-Symbolik bedrucktes Auto mit DD-ND 88 in Stadt Wehlen gesehen.


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