NSU-Prozess: Verfassungsschutz fürchtet um Leben eines V-Mann-Führers

»NSU-Prozess: Verfassungsschutz fürchtet um Leben eines V-Mann-Führers«

Mit dieser Schlagzeile geht der ›Fall Krokus‹ in die nächste Runde. Dazu führt die Zeitung ›Stuttgarter Nachrichten‹ vom 21.6.2013 aus:

»Das baden-württembergische Landesamt für Verfassungsschutz fürchtet um das Leben seines V-Mann-Führers mit dem Tarnnamen ›Rainer Öttinger‹, der im Zusammenhang mit der Aufklärung der NSU-Mordserie eine wichtige Rolle spielt. (…)

Die Stuttgarter Nachrichten berufen sich auf ein dem Blatt vorliegendes Schreiben der grün-roten Landesregierung an den NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages. Demnach befürchtet der baden-württembergische Verfassungsschutz, dass vor allem Alexander Gronwald, der Lebensgefährte der früheren LfV-Informantin mit dem Decknamen ›Krokus‹, dem Verfassungsschutzmitarbeiter ›Öttinger‹ nach dem Leben trachtet. Gronwald versuchte 2004 ehemalige Soldaten der Bundeswehr für einen Einsatz als Söldner in Ghana zu gewinnen. In sozialen Netzwerken gibt er vor, britische Loyalisten und deutsche Faschisten eliminieren zu wollen. Sicherheitsbehörden schreiben dem Mann zudem Kontakte in die Rockerszene zu. Das seit etwa 2010 liierte Pärchen Gronwald/Krokus hatte in den vergangenen Monaten in zahlreichen E-Mails an Politiker, Behörden und Journalisten seine Sicht der sogenannten NSU-Mordserie dargestellt. Viele Abgeordnete und Behördenmitarbeiter zweifeln an der Glaubwürdigkeit des Duos

Das Zusammenspiel aus lancierten, angefütterten Medienberichten und Verfassungsschutz treibt neue Blüten. Es ist immer dasselbe miese Spiel: 13 Jahre lang wurde den Opfern der neonazistischen Mordserie eine Mitschuld gegeben, dreizehn Jahre wurden die neonazistischen Mörder durch aktive Nicht-Aufklärung und aktiver Verhinderung von Festnahmemöglichkeiten gedeckt. Dreizehn Jahre gewährleisten über 25 Neonazis als V-Leute den Aufbau des Nationalsozialistischen Untergrundes. Und über 11 Jahre gewährleisteten deutsche Behörden, dass die neonazistische Terror- und Mordserie geschehen bzw. nicht gestoppt werden konnte.

Nun wird aus einem V-Mann Führer, der an der Verschleierung eines möglichen neonazistischen Hintergrundes beim Mordanschlag auf Polizisten in Heilbronn 2007 mitgewirkt hat, ein ›Opfer‹, das sich bedroht sieht.

Tatsache ist jedoch und bleibt, dass nicht der V-Mann Führer ›Öttinger‹ bedroht ist, sondern die ›Quelle Krokus‹. Tatsache ist, dass der V-Mann-Führer ›Öttinger‹ noch im Amt ist, während die ›Quelle Krokus‹ geflohen ist, nachdem sie von Beamten des LKAs und Neonazis bedroht wurde.

Tatsache ist, dass der begründete Verdacht im Raum steht, dass der Verfassungsschutz Baden-Württembergs an der Verschleierung der Mordumstände in Heilbronn beteiligt war, dass die obersten Dienstherren alles unternommen haben, um die Ladung des V-Mann-Führers ›Öttinger‹ vor dem PUA in Berlin zu verhindern.

Dass man jahrelang vorsätzlich die Existenz und die Quellenberichten von ›Krokus‹ unterschlagen hatte, dass man Akten zu ›Krokus‹ vorenthalten, also die Aktenlage manipuliert hat, stellt nicht die Glaubwürdigkeit von ›Krokus‹ in Frage, sondern die Glaubwürdigkeit jener, die fortgesetzt Straftaten im Amt begehen.

Die gezielten Denunziationen der V-Person ›Krokus‹ und derer, die ihr vertrauen und ihr beistehen, gehört zum widerlichen Geschäft derer, die behaupten, die Verfassung zu schützen. Dass Zeitungen abermals dabei behilflich sind, falsche Spuren zu legen bzw. festzutreten – wie dreizehn Jahre zuvor, ist mindestens ebenso schwer auszuhalten.

Warum sollte eine Frau, die ein ganz normales Leben führte, in ihrer Freizeit Informationen an das LfV weitergeben hatte, in dem Glauben, so etwas gegen Neonazismus tun zu können, ihr ganze Existenz aufs Spiel setzen, um auf einer Mitteilung zu beharren, die sie 2007 an das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württembergs weitergegeben hatte?

Wenn alles »frei erfunden« (stuttgarter-zeitung. de vom 18.5.2013) ist, wie die Verfasssungsschutzpräsidentin Beate Bube verkündete, warum wird dann der Aktenbestand ‚Krokus‘ vorsätzlich manipuliert? Warum interveniert sogar eine grün-rote Landesregierung … in einem Fall, der doch frei erfunden sein soll?

 

Mit der Vorladung des V-Mann-Führers ›Öttinger‹ für den 24. Juni 2013 steht nicht sein Leben auf dem Spiel, sondern etwas ganz anders, viel bedrohlicheres: Wenn sich die Mitteilungen der V-Person ›Krokus‹ zum Mordanschlag in Heilbronn 2007 als wahr herausstellen, dann bricht die ganze Legende vom NSU-Trio zusammen. Dann ist nicht nur ein Riss in der ganzen Anklageschrift, dann bricht sie zusammen und man wird nicht mehr unterdrücken können, was mehr als evident ist:

Der Nationalsozialistische Untergrund bestand aus mehr als drei Mitgliedern und die massive Verhinderung der Aufklärung der Mordhintergründe (auch in Heilbronn) wird möglicherweise einen staatlichen ›Untergrund‹ offenlegen, der die bis heute aufrecht erhaltene Legende von den (bedauernswerten) Pannen ins Grab stoßen wird.

 

Wolf Wetzel                           24.6.2013

Der NSU-VS-Komplex.Wo beginnt der Nationalsozialistische Untergrund – wo hört der Staat auf? Unrast Verlag 2013

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Eine Antwort to “NSU-Prozess: Verfassungsschutz fürchtet um Leben eines V-Mann-Führers”

  1. Staatlicher Untergrund « in defense of lost causes Says:

    […] Ganzer Artikel bei Indy oder hier […]


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