28.4.2010 – Dünenwanderung durch die Krise


»Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.« Das sagte Warren E. Buffet bereits 2005, Prophet, US-Multimilliardär und Investment-Warlord.

2007 ff fielen Banken wie Kartenhäuser zusammen – ein Nine/Eleven der Business Class.


Als Banken und Versicherungen damit drohten, das ganze System mit in den Abgrund zu stürzen, wurde die größte Krise des Kapitalismus nach 1945 verstaatlicht.

Auch wenn seit 2009 Konzerne und Banken wieder Milliardengewinne ausweisen, ist die Krise nicht überwunden, sondern nur vergesellschaftet worden. Billionen von Euro mussten die Staaten ausgeben, um das kapitalistische System zu retten.

2009 gab es zwei Großdemonstrationen in Deutschland, unter dem Motto:

Wir bezahlen nicht für eure Krise‹.

Seitdem herrscht bange Stille. Erschrickt die radikale Linke vor ihren eigenen Parolen: ›smash capitalism‹ und ›Das System abwracken‹?

Plakat 2010 Frankfurt


Während alle systemrelevanten Unternehmen jede Art der Reparationszahlung für den verlorenen Finanzkrieg ablehnen, stehen einige Staaten am Rande des Ruins. Am Rand der Euro-Zone werden die ersten Schafe gerissen: Griechenland, Portugal, Spanien…. Die „Finanzkrise“ kehrt als „Staatskrise“ zurück. Zahlreiche Staaten haben einen Grad der Verschuldung erreicht, die nur für Kriegszeiten typisch ist. Griechenland ist kein Sonderfall, sondern ein Baum, hinter dem sich ein Wald versteckt.  Gelingt es den Protesten in Griechenland die Richtung zu ändern, den Wind zu drehen, damit das Feuer die Villen und Paläste heimsucht und nicht die Hütten niederbrennt?

Der Text führt durch die verschiedenen Etappen und Brennpunkte der Krise, leichtfüßig und wutentbrannt, sehenden Auges und hintergründig, bösartig, also systemisch – vorbei an Gründen, Analysen und Folgen, mitten in die großen Tiefs und kleinen Hochs der (radikalen) Linken, mit einem gewagten Ausblick.

Der Beitrag wird durch über 50 Bilder, Collagen und Montagen illustriert.

Das Ganze steht für Veranstaltungen zur Verfügung.


Hier ein Auschnitt daraus:

Krisenparty in der Oper/Frankfurt

Akt 1

Die Schuldfrage

Wirtschaftsexperten und –politiker sagen uns, dass wir seit 2008 in der größten Wirtschaftskrise seit Kriegsende leben. Bundespräsident Horst Köhler stellte knapp ein Jahr später fest, man sei nahe am »Zusammenbruch der Weltfinanzmärkte« vorbeigeschlittert.

Er weiß, wovon er redet.

Horst Köhler war zuvor Chef des Weltwährungsfonds/IWF, der andere Länder an der Peripherie zu dem zwang, was heute auch im Zentrum zum Kollaps führte.

Die Krise ist nicht so anonym, wie man annimmt

Seitdem reden alle von der Krise und fragen sich voller Naivität und engelhafter Unschuld, wie es dazu kommen konnte. Gerade die, die vor der Krise lauthals dazu angetrieben haben, der Jagd nach Renditen, Märkten, Ressourcen und Menschenmaterial bloß keinen Stein in den Weg zu legen.


Nun will es keiner gewesen sein.

All die, die Eigenleistung, Unternehmerrisiko und Eigenverantwortung verdammt großschreiben, wenn es um Millionen-Einkommen und Bonizahlungen geht

entdecken angesichts von Milliardenverlusten unisono das Räderwerk des Systems, in dem sie nur ein klitzekleines Zahnrad gewesen sein wollen.

Wochenlang zeigten Wirtschaftseliten und politischen Parteien, die Regierung und Opposition aufeinander, um zu beweisen, dass alle dazu beigetragen, alle mitgespielt hatten … bis sie alle Dreck am Stecken hatten und sich einig waren: Bevor wir alle dran sind, war’s keiner.

Kein geringerer als der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, prägte dafür das Zauberwort vom »anonymen Systemfehler«[1].

Eine perfektes Schauspiel über Klassen- und Selbstjustiz.

Den vollständigen Text findet ihr hier: Der Finanzkrieg


[1] FAZ vom 27. Oktober 2008

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2 Antworten to “28.4.2010 – Dünenwanderung durch die Krise”

  1. Dünenwanderung durch die Krise « Auto-Anthropophag Says:

    […] durch die Krise Unter diesem Titel maändert Wolf Wetzel in einer lesenswerten Collage durch einige Aspekte der gegenwärtigen Krise des Kapitalismus. Ein […]

  2. » Dünenwanderung durch die Krise binsenbrenner.de Says:

    […] diesem Titel maändert Wolf Wetzel in einer lesenswerten Collage durch einige Aspekte der gegenwärtigen Krise des Kapitalismus. Ein […]


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