Laute® schwarze Schafe

 

Mit den Parolen: ›Islamisten raus‹ und ›Wir räumen auf‹, unterstrichen mit dem Motiv eines arisch-weißen Schafes, das ein schwarzes Schaf doppelläufig tritt, wollte die NPD am 20.10.2007 durch Frankfurt-Hausen ziehen und vor Moscheen und anderen Tarn-Bombenwerkstätten warnen (›Zuerst bauen sie Moscheen, dann werfen sie Bomben‹ NPD).

Nachdem klar war, dass die Polizeiführung – wie am 7.7.2007 – mit einem Ausnahmezustand den Nazi-Aufmarsch durchsetzen will, sannen viele AntifaschistInnen nach Möglichkeiten, neonazistischen Gruppierungen – trotz dieser polizeilichen Obhut – das Leben und Marschieren schwer zu machen.

Zwei NPD-Kundgebungen auf dem Fischsteinkreisel, direkt vor dem Baugelände der Moschee, waren genehmigt worden. Da sich ein Studentenwohnheim direkt daneben befindet, war der Plan schnell gemacht. Mithilfe von StudentInnen wurde nachts zuvor eine lautstarke Anlage ins Wohnheim gebracht. Gegen Mittag des nächsten Tages war die Anlage aufgebaut, mit Blick auf das Baugelände der Moschee. Mit ein wenig Glück sollte die Anlage nicht nur die NPD-Kundgebung stören, sondern gleichzeitig AntifaschistInnen an den Absperrungen auf der Nidda-Brücke, ca. 200 Meter entfernt, erreichen.

Nachdem die ›schwarzen Schafe‹ die Information erhalten hatten, dass genau 98 arisch-weiße Schafe auf dem Weg Richtung Fischsteinkreisel waren, wurde zuerst ein Transparent auf der Stirnseite des Studentenwohnheimes entrollt: ›Nazis raus‹. Fünf Minuten später verschaffte sich die Polizei Zutritt zum Wohnheim. Der Beamte gab sich zivilgesellschaftlich, großzügig. Gegen eine solche Anlage auf Privatgelände sei nicht einzuwenden und über das Maß der Störung der NPD ließe sich ja reden – was in der Polizeipraxis den Ermessenspielraum umschreibt.

Man einigte sich auf mehr oder weniger zehn Minuten. Daraufhin zogen die Polizisten ab. Zwischenzeitig erreichte auch ein Fernsehteam des Hessischen Fernsehens das Studentenwohnheim, nachdem es über 20 Minuten aufgehalten wurde. Kurze Zeit später kehrten die verständnisvollen Beamten zurück, bewiesen Gehorsam und präsentierten die Haltung der Polizeiführung: Sobald die NPD-Kundgebung gestört werde, werde man einschreiten und ggf. die Anlage beschlagnahmen. Die Polizeibeamten zogen wieder ab und die Neonazis waren bereits zu hören, auf der Ludwig-Landmann Strasse, ca. 100 Meter vom Fischsteinkreisel entfernt. Trotz der polizeilichen Drohung wurde alles vorbereitet, die letzten Absprachen getroffen. Anfangs dachten die ›schwarzen Schafe‹, die Neonazis könnten nicht mehr marschieren, sie waren zu hören, aber nicht zu sehen. Nach zehn Minuten war klar: Die Polizei hat sich beratend der NPD anvertraut und ihr eine Kundgebung auf der Ludwig Landmann Strasse nahe gelegt. In kürzester Zeit wurde beiden Lautsprecher plus Anlage auf die andere Seite geschafft, mit Blick auf die neofaschistische Schafsherde und ihre Hirten.

Wieder kamen besagte Polizeibeamten zurück, diesmal mit Verstärkung. Sie bauten sich im Flur auf und die Anlage übertönte deutlich das Gerede von der Islamisierung und dem nationalen Widerstand. Die Polizeibeamten taten darauf das, was sie schon immer taten – und führten den Befehl aus. Die Anlage wurde abgeschaltet und einer Person wurde versprochen, dass sie nun eine Anzeige wegen Ruhestörung zu erwarten habe.

Eine ›Ruhe‹, die schon einmal Millionen von Menschen das Leben gekostet hat.

 

Wolf Wetzel

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