Die einsamen Leiden des Herrn XXX – der Fernsehfilm der Woche im ZDF

Die “ehrenwerten Motive” des Herrn XY – in ehrenwerter Gesellschaft

Es ist kurz nach 12, als der Held die Koffer packt. Ein letztes Mal läuft XY durch den Flur des Polizeipräsidiums. Er tut das mit dem o-beinigen Gang eines Mannes, der etwas zu lange in den Sonnenuntergang geritten ist, begleitet von herbstlicher Pianomusik. Dann verschwindet XY, er löst sich auf, wird langsam durchsichtig. Was bleibt, ist der Gang des Polizeipräsidiums. Und ein Dutzend Journalisten, die jetzt mal ihre Mineralwasser-Fläschchen öffnen, weil es ihnen doch ein bisschen die Kehle zuschnürt…. Der Vater bedankt sich bei XY, der Bankier bietet ihm seine Hilfe an. XY bedankt sich. Die Unterstützung tue ihm gut, aber er wolle keine Hilfe. „Ich habe nur meine Pflicht getan“, sagt er. Dann kommt XY’s Ehefrau, und Melzer verschwindet wie ein Geist, den Zuschauer rätselnd zurücklassend, ob das nun echt oder falsch war, was er eben gesehen habe.

Mit diesen Worten lobt die Frankfurter Rundschau über ganze zwei Seiten in höchsten Tönen einen Film, den das Zweite Deutsche Fernsehen als “Fernsehfilm der Woche” anpreist. Auf insgesamt fünf Pressekonferenzen wurde dieser Film vorgestellt, was, so Frankfurter Rundschau voller Naivität, “wohl der Materie geschuldet” sei. Im Mittelpunkt steht der Held XY, dem ” ein filmisches Denkmal” gesetzt wurde: “Und sogar noch ein recht wohlgelungenes. Fast bedauert man es, wenn er langsam aus dem Präsidium entschwindet.” (FR vom 13.9.2012)
Er, Herr XY, der Held, ist Wolfgang Daschner,

ehemaliger Frankfurter Polizei-Vizepräsident. Der Mann, der nur seine Pflicht getan hat, gab seinen Untergebenen 2002 die Weisung, einem Tatverdächtigen Folter anzudrohen und diese auch ggf. durchzuführen. Diese Anweisungen verheimlichte Wolfgang Dschner nicht, sondern vermerkte sie in einer Aktennotiz, pflichtbewußt.

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31.8.2010 – Kriminell gut, Herr Bouffier!

Wer hat die Folter bzw. Androhung von Gewalt im Fall ›Gäfgen‹ gedeckt?

Roland Koch geht – das System Koch bleibt.

Volker Bouffier wurde zum Nachfolger des zurückgetretenen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch gewählt. Alles läuft nach Plan. Volker Bouffier gehört  zum engsten Kreis des Ex-Ministerpräsidenten. Er ging mit ihm durch dick und dünn – auch und gerade als Innenminister. Zahlreiche “Skandale” hat er überlebt – weil eindeutige Beweise fehlten. In diesem Fall liegen sie auf dem Tisch.

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16.6.2010 -Über einen Versuch, Folter demokratietauglich zu machen

Die Folter führt aus den Gestapo-Kellern nicht zur Rettung von

Menschenleben – sondern nach Abu Ghraib

Am 31.5.2010 hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg die Folterandrohung gegen Magnus Gäfgen während einer Vernehmung im Frankfurter Polizeipräsidium im Jahr 2002 als einen Verstoß gegen Artikel 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention, das Folterverbot, verurteilt.

Auffallend kurz wurde in den Leitmedien darüber berichtet, ganz schnell war das Thema vom Tisch. Aus gutem Grund: Es ging um weit mehr als einen Vizepolizeipräsidenten, der ganz alleine und einsam mit Folter Leben retten wollte. Zum Beispiel um die Rolle des Innenministers Bouffier, der bald das Ministerpräsidentenamt antreten wird…

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26.5.2010 – Koch geht – das System Koch bleibt (aktualisierte Fassung)

Roland Koch ist auch Ministerpräsident –

vor allem kriminell rechts

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch hat am 25.5.2010 seinen Rücktritt erklärt. Bevor man über diese Ankündigung jubelt, sollte man sich die Worte seiner Rücktrittsrede auf der Zunge zergehen lassen: Süffisant zitiert er eingangs aus seiner Geburtstagrede aus dem Jahr 2008, in der er im Stil eines Patens  hat verlautbaren lassen, dass er in seiner Arbeit »noch etwas zu erledigen« hätte…. Dann schaut er auf seine »Arbeit« zurück und lässt uns wissen, dass alles »zu meiner vollsten Zufriedenheit geschehen« sei. »Mehr als zwölf Jahre …(und) eine wirklich tolle hessische CDU« liegen bald hinter ihm und ein Wechsel in die Wirtschaft als Belohnung vor ihm. Vom public-private zum private-public-agent. Mittlerweile ein Katzensprung.

Der rechte Rand der CDU wird auch Stahlhelmfraktion genannt


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3.2.2010 – Es müsste eigentlich einen Volksaufstand geben

Am 1. Februar 2010 fand im DGB-Haus in Frankfurt eine Veranstaltung unter dem Titel

Ist Hessen eine Steueroase?‹ statt.

Auf den ersten Blick irritiert dieser ungewohnte Kontext: Wenn man das Wort ›Steueroase‹ hört, denkt man – gut geführt – zuerst an die Schweiz, an Liechtenstein oder die Seychellen-Inseln. Nur nicht an Deutschland.

Aktuelle Brisanz bekam dieses Thema durch die republikweit gestellte Frage, ob man im Kampf gegen die ›Steueroase‹ Schweiz auch mit ›Daten-Dieben‹ gemeinsame Sachen machen darf. Abgesehen davon, dass man sich eine ähnliche Empfindsamkeit wünschen würde, wenn V-Männer der Polizei oder des Verfassungsschutzes zu Straftaten anstiften und Straftaten begehen, um sich Beweismittel zu beschaffen, Grundrechte (wie der Schutz der Privatsphäre, des Brief- und Telefongeheimnisses) im Namen der Staatssicherheit außer Kraft gesetzt werden, ist diese Diskussion an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten.

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18.1.2010 – Hessenkrimi II (aktualisiert)


Wenn Wirtschafts- und Regierungskriminalität ein Regelwerk bilden ist das O.K.

Vorwort

Wenn Milliardenbeträge illegal ins Ausland verschoben, ›Kriegskassen‹ angelegt werden, um Wahlen zu kaufen, Öffentlichkeit zu generieren, Regierungen zu belohnen, große Wirtschaftsaufträge über Bestechungen zu akquirieren,

wenn dabei Finanzministerien, Gerichte und Parteien durch Schaffung rechtsfreier und verfolgungsfreier Zonen Lotsenfunktion übernehmen

wenn unliebsame Zeugen dieser Vorgänge aus dem Weg geräumt, mundtot und psychiatrisiert werden

wenn große Medien publizistischen Begleitschutz leisten, Informationen verschweigen und Jagd auf die wenigen machen, die diese Zusammenhänge aufzudecken bereit sind…

… dann glaubt man, dass dies (nur) in Russland, in den ehemaligen Ostblockstaaten, vielleicht auch in Italien, im Land der Mafia und Berlusconis, möglich ist, aber ganz bestimmt nicht in Deutschland.

Diese Recherche möchte dieses gut-bezahlten Eindruck zerstören:

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Hesse(n)nachrichten

22.1.2010 – Elemente der Abschreckung

»Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat nach seinen Äußerungen über arbeitsunwillige Hartz-IV-Empfänger eine Bombendrohung erhalten. Regierungssprecher Dirk Metz bestätigte am Freitag, dass eine Bombenattrappe an die Staatskanzlei in Wiesbaden geschickt worden sei und erklärte weiter: ›Das Landeskriminalamt hat die notwendigen Ermittlungen aufgenommen.‹ Der Vorgang werde, wie in solchen Fällen üblich, absolut ernst genommen. Um die Ermittlungen nicht zu gefährden, nahm er zu weiteren Details jedoch keine Stellung.

Das zugehörige Bezichtigungsschreiben einer Gruppe ›Morgenlicht‹ ging bei mehreren Medien ein, darunter bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Rohrbombenattrappe sei ein Protest gegen Kochs Forderung nach einer Arbeitspflicht von Hartz-IV-Empfängern, hieß es in dem Brief. Die Absender warnten Koch, sollte er seine Äußerungen wiederholen oder ›seine arbeitnehmerfeindliche Politik‹ weiter verfolgen, werde eine scharfe Bombe ›im Umfeld Ihrer Besitztümer‹ gezündet.« FAZ vom 22.1.2010

16.1.2010 – »Arbeitszwang für Hartz-IV-Empfänger

Bei den geplanten ›Hartz IV‹-Reformen fordert jetzt auch CDU-Vize Roland Koch eine Arbeitspflicht als Gegenleistung für die öffentliche Unterstützung. Zugleich setzt sich der hessische Ministerpräsident für höhere Hinzuverdienstgrenzen als Anreiz zur Annahme von Arbeit ein, wie er der ›Wirtschaftswoche‹ sagte. ›In Deutschland gibt es Leistungen für jeden, notfalls lebenslang. Deshalb müssen wir Instrumente einsetzen, damit niemand das Leben von Hartz IV als angenehme Variante ansieht‹, sagte Koch.

Der Ministerpräsident fügte hinzu: ›Wir müssen jedem Hartz-IV-Empfänger abverlangen, dass er als Gegenleistung für die staatliche Unterstützung einer Beschäftigung nachgeht, auch niederwertige Arbeit, im Zweifel in einer öffentlichen Beschäftigung.‹ Es könne kein ›funktionierendes Arbeitslosenhilfe-System geben, das nicht auch ein Element von Abschreckung enthält.‹ Ein solcher Druck sei notwendig.« BILD vom 16.1.2010

15.12.2009 – Wenn Arbeiter für ihre Bosse streiken…

»Im Streit um das geplante Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen erhöht die Lufthansa den Druck auf die Politik. Rund 1000 Mitarbeiter – vor allem von der Frachtsparte Lufthansa Cargo – demonstrierten am Montag gegen ein Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen. ›Die Fracht braucht die Nacht‹, skandierten Cargo-Mitarbeiter, die die Frachtabfertigung für rund zwei Stunden einstellten. Auf mehreren Schildern hieß es mit Verweis auf die wirtschaftliche Bedeutung der Nachtflüge: ›Nachts kriegt der Kranich die Mäuse‹. (…) Der zweistündige Ausstand der Mitarbeiter kam dem Vorstand trotz des boomenden Vorweihnachtsgeschäfts nicht völlig ungelegen. ›Lieber stehen die Räder jetzt zwei Stunden lang still, als ab 2011 für sechs Stunden pro Tag‹, sagte Cargo-Vorstand Karl-Heinz Köpfle. Dann soll mit der Inbetriebnahme der neuen Landebahn die neue Nachtflugregelung greifen.« FNP vom 15.12.2009

7.12.2009 – »Ausbau wichtiger als kommunale Planungshoheit – Im Geist des Überörtlichen

Städte und Gemeinden im Umland müssen nach dem Urteil des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs (VGH) wegen des Ausbaus des Frankfurter Flughafens erhebliche Einschränkungen ihrer Planungshoheit hinnehmen. Dies erfordere ein ›überörtliches Interesse von höherem Gewicht‹. (…) Das gelte auch für die ›gravierenden Beeinträchtigungen‹, die sich daraus ergäben, dass den Gemeinden wegen des Fluglärms zum Teil erhebliche Siedlungsbeschränkungen auferlegt werden, sie also nicht mehr frei entscheiden können, wo sie etwa Kindertagesstätten ansiedeln. (…) In der sogenannten Tagschutzzone 2, wo der Dauerschallpegel 55 und mehr Dezibel (A) beträgt, werden Prognosen zufolge 2020 mehr als 280000 Menschen leben, im Vergleich zu heute ein Anstieg um 50 Prozent.« FAZ vom 7.12.2009

12.11.2009 – Bewegung Morgenlicht gibt Planung gekannt

»Die ›Bewegung Morgenlicht‹ (…) droht in einem Schreiben mit weiteren Anschlägen. Die Drohung ist diesmal gegen die Frankfurter Sparkasse gerichtet (…). In dem Brief wirft die Gruppe der Sparkasse ›vorsätzlichen Betrug am kleinen Mann‹ vor. Sollten die Sparkassenkunden, die mit Lehman-Zertifikaten Geld verloren hatten, nicht bis Ende des Jahres entschädigt worden sein, werde man mit ›entsprechenden Aktionen‹ reagieren. Die Frankfurter Sparkasse teilte gestern mit, man habe ›geeignete Maßnahmen‹ ergriffen, um ihre Kunden und Mitarbeiter zu schützen.« FAZ vom 12.11.2009

Den Schutz ihren Kunden fällt der Bank aber recht spät und im völlig falschen Zusammenhang ein, oder?

3.11.2009 – Brandanschläge und die Göttin der Erneuerung

»Nach den Brandanschlägen auf Filialen der Dresdner Bank und der Deutschen Bank fehlt von den Tätern noch immer jede Spur… Das Bekennerschreiben (…) ist offenbar bisher der meistversprechende Ermittlungsansatz der Polizei. Die ›Bewegung Morgenlicht‹, die den Brief unterzeichnet hatte, ist nach Angaben der Sicherheitsbehörden in der Vergangenheit nocht nicht in Erscheinung getreten. Ersten Erkenntnissen zufolge handelt es sich um ein loses Bündnis von Personen aus der autonomen Szene, die sich je nach Aktion jeweils einen antiken Beinamen geben. In diesem Fall lautet er ›Kommando Makeda‹ – Makeda hieß nach Angagen der Ermittler eine Göttin der Antike, die für die Erneuerung gekämpft habe. Es handelt sich aber auch um den äthiopischen Namen der König von Saba.« FAZ vom 3.11.2009

2.11.2009 – ›Bewegung Morgenlicht/Kommando Makeda‹

»Innerhalb von 24 Stunden sind am Wochenende zwei Brandanschläge auf Filialen der Dresdner Bank und der Deutschen Bank verübt worden. In einem Fall mussten Anwohner an die Filiale grenzende Räume wegen der Rauchentwicklung verlassen. Insgesamt entstand ein Schaden von 110.000 Euro… Per E-Mail ist ein Bekennerschreiben verschickt worden, das der Rhein-Main-Zeitung vorliegt. Darin bekennt sich eine Gruppe namens ›Bewegung Morgenlicht/Kommando Makeda‹ zu dem Anschlag auf die Filiale der Dresdner Bank an der Fressgass’. Der Anschlag, heißt es in dem Schreiben, habe vor allem der Commerzbank gegolten. Zudem äußerte die Gruppe, der Brandanschlag sei »eine kleine rückwirkende Ohrfeige für den Betrug« gewesen, den Geldberater der Dresdner Bank mit der Vermittlung von Lehman- Zertifikaten angerichtet hätten. Zu dem Brand an der Leipziger Straße äußerte sich die Gruppe, die laut einem Interneteintrag »eine grundlegende Reform der Wirtschaft« zum Ziel hat, nicht. Die Polizei schließt nicht aus, dass dieser Anschlag von einer anderen Gruppierung verübt worden ist.« FAZ vom 2.11.2009

28.10.2009 – Laufzeitverlängerung für AKW Biblis

Unter dem Titel: ›Unsere Atomkraftwerke sind noch lange nicht am Ende ihrer Laufzeit‹ lässt die FAZ dem RWE-Chef Jürgen Großmann freien Lauf: »Wir sind bereit, die Gesellschaft angemessen an diesem Mehrwert zu beteiligen … Aber wir wollen auch ein kleines bisschen dabei verdienen … Es wäre zu überlegen, ob wir 45, 50 oder 55 Prozent davon abgeben[1] Eine Hand wäscht die andere…


[1] FAZ vom 28.10.2009

20.10.2009 – »Immer mit einem Bein im Gefängnis«

»AKW Biblis …

Der Elektrotechniker muss gestaunt haben, als er im Kernkraftwerk Biblis seiner Arbeit nachging. In einem Untersuchungsbericht des Öko-Instituts, der im Auftrag der Gesellschaft für Reaktorsicherheit erstellt wurde, ist detailliert nachzulesen, was der Mann bei Arbeiten an sensiblen Anlagen erlebt hat: ›Man kann in Biblis A nicht von einer Fehlorganisation sprechen, sondern man kann das nur als Chaos bezeichnen‹, wird der Mann laut Bericht zitiert. Es habe die Einstellung geherrscht: ›In Biblis nichts anfassen, da steht man mit einem Bein im Gefängnis.‹« FR vom 20.10.2009

20.10.2009 – Wortbruch-Optimierer

Natürlich lernt man aus Wortbrüchen – und siedelt ihn ganz oben an: »Während die FDP hier in Hessen noch vorgibt, das Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen sei angeblich ihr politisches Ziel, arbeitet der hessische FDP-Verkehrsminister bei den Koalitionsverhandlungen im Bund an dessen Aushebelung. Anders sind die Meldungen aus Berlin, die zukünftige Koalition wolle das Luftverkehrsgesetz so ändern, dass ›international wettbewerbsfähige Betriebszeiten‹ sichergestellt werden können, nicht zu verstehen.« Pressemitteilung der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Hessischen Landtag vom 20.10.2009

Verkehrsminister Posch (FDP) arbeitet auf Bundesebene in der Arbeitsgruppe ›Bau, Wohnen, Verkehr‹ mit, die die Koalitionsvereinbarungen zwischen CDU und FDP vorbereiten sollen.

»Der Vorgang ist schon ziemlich einmalig. Weil der Landesregierung das Urteil eines Gerichts nicht passt, wird der Einfluss auf Bundesebene genutzt, um das Gesetz so zu ändern, dass die nächste Instanz anders entscheiden muss. Wann hat es so etwas jemals gegeben?« (›Versprochen, gebrochen‹ von Pitt von Bebenburg, FR vom 21.10.2009)

10.10.2009 – Nachtruhe schadet dem powerhouse

Im Entwurf der Koalitionsvereinbarungen von CDU und FDP steht geschrieben: “Zur Sicherung des Luftverkehrsstandortes Deutschland wollen wir u. a. international wettbewerbsfähige Betriebszeiten ermöglichen.”

Damit soll das eingeschränkten Nachtflugverbot (6 Stunden) am Frankfurter Flughafen zu Fall gebracht werden.

30.09.2009 – Pilates für Fraport und die ganze Nation

Fraport-Chef Schulte bezeichnete »den Ausbau des Frankfurter Flughafens als entscheidend für die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit. Auch die Region Frankfurt/Rhein-Main könne sich dadurch als ›ökonomisches powerhouse im europäischen Standortewettbewerb‹ behaupten. Der Ausbau von Deutschlands zentralem Luftverkehrsdrehkreuz sei eine nationale Aufgabe. PE vom 30.9.2009

16.7.2009 – »Farbbomben-Attacke gegen Landratshaus«

»Das Haus des Offenbacher Landrates Peter Walter (CDU) ist in der Nacht zum Donnerstag mit Farbbomben beworfen worden. Die bisher unbekannten Täter schleuderten mehrere Farbbeutel gegen die Fassade des Einfamilienhauses und hinterließen rote, grüne und gelbe Flecken, wie die Offenbacher Polizei am Donnerstag mitteilte. Mögliches Motiv für die Attacke könnte die umstrittene Abschiebepolitik des Landrates sein. Auf Flugblättern, die in mehreren Briefkästen der Siedlung gefunden wurden, wird Walters Politik kritisiert.« Bild-Zeitung vom 16.7.2009

26.6.2009 – Atomkraftwerk in Biblis – Lügen, bis man schwarz wird

Aus einer von von den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg und Hessen in Auftrag gegebenen Studie über Risiken von Atomkraftwerken im Falle eines Flugzeugabsturzes oder eines terroristischen Anschlages, geht hervor, dass die beiden Atomreaktoren in Biblis gegen solche Angriffe nicht geschützt seien. Bei der Vorstellung dieser Studie durch die hessische Landesregierung (CDU) im Jahr 2003 wurden genau diese Details verschwiegen. Seitdem wird diese Studie geheim bzw. unter Verschluss gehalten. Die Behauptung, sicherheitsrelevante Fakten könnten ansonsten in die Öffentlichkeit geraten, ist zwar dumm (als kenne sich die schwarze Landesregierung mit Schwärzungen nicht aus), aber die faktische Rechtbeugung im Amt bleibt wie so oft folgenlos. (vgl. FAZ vom 26.6.2009)

Wie weit die Politik der Verharmlosung und Vertuschung reicht, hielt anlässlich des Jubiläums ›50 Jahre Atomforum‹ der Bundesumweltminister Gabriel fest: »50 Jahre Atomforum – das bedeutet ein halbes Jahrhundert Lug und Trug.« (FAZ vom 2.7.2009)

7.6.2009 – Vom ›einfach nur…‹  zur ›Lebenswelt‹…

Im Rahmen der Einweihung des ›Airrail Center‹ am Frankfurter Flughafen redeten sich die FestrednerInnen dumm und dämlich:

»Das Airrail Center wird ein Treffpunkt werden für Reisende, die dort einen Zwischenstopp einlegen, an Konferenzen teilnehmen, in einem der beiden Hotels übernachten oder einfach nur shoppen wollen.« Grußwort von der Frankfurter OB Perta Roth

»Der Flughafen mutiert von der Infrastruktur zur Struktur, vom Raum … zur Lebenswelt der Zukunft

Damit jede/r LeserIn sofort begreift,dass es an ihm/ihr liegt, diesen erquasteten Blödsinn nicht zu verstehen, wurde der Vorstandsvorsitzende der Fraport AG, Wilhelm Bender, extra mit ›Prof. Dr.‹ eingeführt.

2.6.2009 – Kein Mensch….

Zur Rettung von ›Opel‹, also zur Rettung der eigenen Haut haben die Große Koalition über fünf Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Das Land Hessen ist mit einer 447 Millionen Euro-Bürgerschaft beteiligt – die größte Bürgschaft, die das Land Hessen jemals vergeben hat. Und was sagt unser Eigentümer Koch dazu: Auch in Zukunft werden wir ausschließlich in D …. Nein, das war der Tridema-Chef. Der CDU-Ministerpräsident sagte vielmehr: »Kein Mensch kann garantieren, dass das am Ende gutgeht.« (FAZ vom 2.6.2009)

8.5.2009 – Der Spatenstich

»Mit einem symbolischen ›1. Spatenstich‹ beginnt der Ausbau des Flughafens Frankfurt. Gemeinsam werden der Vorstand der Fraport AG, Hessens Ministerpräsidenten Roland Koch, Fraport-Aufsichtsratvorsitzender Staatsminister Karlheinz Weimar mit Oberbürgermeisterin Petra Roth den Beginn der Bauarbeiten einleiten. Der Zugang zum Veranstaltungsgelände ist nur für akkreditierten Journalisten möglich.« (PRESSE.INFO vom 6.5.2009)

26.4.2009 – Einkaufszentrum mit Landebahn

FAZ: » Sie wollen Ihre Flächen für Geschäfte und Gaststätten bis 2012 verdoppeln. Wird der Flughafen dann endgültig zum Einkaufszentrum mit Flugmöglichkeiten?

Stefan Schulte, Chef des Frankfurter Flughafens: » (…) es stimmt: Flughäfen werden zunehmend Einkaufszentren mit Landebahn… Für sie (die Fluggäste, d.V.) soll der Urlaub schon am Flughafen beginnen. Sie kommen ein bis zwei Stunden früher, bummeln die Ladenzeilen entlang und kaufen ein.« FAZ vom 26.4.2009

29.4.2009 – Ein Flughafengefängnis im exterritorialen Schwebezustand

»Die hessische Landtagsfraktion der Linkspartei hat am Donnerstag nachmittag auf dem Gelände des Frankfurter Rhein-Main-Flughafens gegen die deutsche Abschottungspolitik protestiert. Auf dem Airport befindet sich seit der faktischen Abschaffung des Asylrechts 1993 eine Außenstelle der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (HEAE). Für Asylbewerber, die mit dem Flieger einreisen, gilt das sogenannte Flughafenverfahren. Nach dem Verlassen des Flugzeugs befinden sich die Flüchtlinge zwar im Zuständigkeitsbereich des Bundesgrenzschutzes, nach der offiziellen Rechtsauffassung jedoch noch nicht auf deutschem Boden. Sie sind im Transitbereich des internationalen Flughafens und damit in einer Art ›Schwebezustand‹. Etwas Ähnliches sei in keinem anderen europäischen Land zu finden, kritisierte die hessische Linksfraktion bei ihrem Besuch im Lager…. Das gefängnisartige Lager auf dem Rhein-Main-Flughafen hat in der Vergangenheit mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. 1994 war dort der nigerianische Flüchtling Kola Bankole bei seiner Abschiebung ums Leben gekommen. Die Beamten hatten ihn gefesselt, geknebelt und mit einer Spritze ›ruhiggestellt‹. Im Jahr 2000 nahm sich dort die Algerierin Naimah Hadjar aus Angst vor der drohenden Abschiebung das Leben.« Junge Welt vom 25.4.2009

18.4.2009 – »Rollrasen für Usbekistan

Für die Lufthansa Cargo AG ist Frankfurt das Frachttor zur Welt. Am Tag der Logistik gewährte sie Einblicke in Europas zweitgrößtes Luftfrachtzentrum…« Faz vom 18.4.2009

Wenn sich FRAPORT und Lufthansa einmal nicht als Klima(schutz)experten präsentieren müssen, verraten sie in aller Offenheit, wofür der Flughafen ausgebaut werden muss: Rote Rosen aus Kenia und Ecuador, Schafsdärme aus Iran, Angelwürme aus Schanghai, und Rollrasen für die Diktatur in Usbekistan… .Am selben Tag darf die FNP über den »Umzug der Tiere« berichten: »Es ist vermutlich einer der größten Umsiedlungsaktionen aller Zeiten.«

23.3.2009 – Bürgerentscheid in Kelsterbach

»Im Streit um den Ausbau des Frankfurter Flughafens hat eine Initiative am Montag fast 2000 Unterschriften an die Stadt Kelsterbach übergeben. Damit soll ein Bürgerentscheid über den Verkauf des Kelsterbacher Waldes an den Flughafenbetreiber Fraport durchgesetzt werden.« FR vom 23.3.2009

21.3.2009 – CDU-Mann übernimmt Fraport-Spitze

Nun hat die CDU auch in der Fraport ihren Wunschkandidaten an der Spitze: Der stellvertretenden Vorstandsvorsitzende Stefan Schulte löst ab September Wilhelm Bender ab. Ein Meister des Satzbauwortschatzes gab bereits seine erste Kostprobe: Fraport sei »gut aufgestellt« und »zukunftsorientiert positioniert«. Es gehe darum, die »Agenda … voranzutreiben und umzusetzen … um weiter in der Champions League der Hubs mitzuspielen«. Dazu zählt selbstverständlich auch Imagemanagement und Kultursponsering: Fraport sei in seinem »sozialen Engagement vorbildlich …. Unsere Botschaft heißt: Wir wollen gute Nachbarn sein ….« Faz-Interview mit Stefan Schulte vom 21.3.2009

12.3.2009 – Mega-Hub-Klasse fordert Maß halten

»Unabhängig vom Für und Wider eines neuen Ausbaus des Flughafens muss der Konflikt ein juristischer bleiben und darf kein persönlicher oder gewalttätiger werden. Man tut am Tag eins nach dem mutmaßlichen Brandanschlag auf das Auto des Fraport-Ausbaumanagers Horst Amann gut daran, in jeder Hinsicht Maß zu halten. Für dramatisierende Zuspitzungen und verantwortungslose Verharmlosung gibt es in diesen Stunden keinen Anlass, für Häme und Schadenfreude angesichts des Ereignisses schon gar nicht.

Auch wenn es kaum mehr als erste Vermutungen über die Täter gibt – wer immer in diesem schwierigen und langwierigen Konflikt um den neuerlichen Ausbau des Flughafens verstrickt ist, muss in diesen Tagen seine Verantwortung erkennen und allenthalben daraufhin wirken, dass der Konflikt ein juristischer bleibt und kein persönlicher respektive gewalttätiger werden darf….« FR-Leitartikel vom 12.3.2009

12.3.2009 – Dienstwagen eines ›extremen Entscheidungsträgers‹ in Flammen

»Unbekannte Täter haben (…) das Auto des Fraport-Ausbaumanagers Horst Amann in Brand gesetzt … Sprecher von Verbänden der Begleit- und Personenschutzbranche gehen davon aus, dass Personen in Top-Positionen und ›extreme Entscheidungsträger‹ meist in gewissem Maße gefährdet seien.« FR vom 12.3.2009

5.3.2009 – Alles noch vertretbar

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8.5.2009 – FRAPORT-Regierung feiert – Eine Fotostory

Die FRAPORT-Regierung läd ein und durch….

01-Sponsoren-Regierung

Am 8. Mai 2009 lud die FRAPORT-Regierung – ein Mix aus wählbaren und unwählbaren Mitgliedern – zum ›Ersten Spatenstich‹ auf dem Gelände der geplanten neuen Landebahn Nord-West des Frankfurter Flughafens ein.

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Vorzeitige Besitzeinweisung – in die Villen von W. Bender und R. Koch

Ein juristischer Rund- und Probelauf

In allen Auseinandersetzungen um die verschiedenen Ausbauphasen des Frankfurter Flughafens stand und steht ein Rechtsartikel im Mittelpunkt der politischen Debatte: Der sogenannte Sofortvollzug bzw. die vorzeitige Besitzeinweisung.

Die Prominenz dieses Rechtstitels hat einen einfachen Grund: Der Frankfurter Flughafen braucht für seine Erweiterungen Wald,  in diesem besonderen Fall Bannwald, der  ihn umgibt. Diese Waldstücke befinden sich im Besitz der jeweiligen Gemeinden. Da sich diese seit den 80er Jahren weigerten, Gemeineigentum an ein Großunternehmen zu verkaufen, mussten Enteignungsverfahren eingeleitet werden. In aller Regel beanspruchen solche Verfahren einige Jahre. Um diese abzukürzen bzw. zu Erwartendes vorwegzunehmen, griff die FAG in der Vergangenheit, greift die FRAPORT heute auf den Artikel § 116 BauGB zurück, das »aus Gründen des Wohls der Allgemeinheit« eine vorzeitige Besitzeinweisung durch die Enteignungsbehörde erzwingen kann. Die Gerichte, die (Jahre) später über die Rechtmäßigkeit des Enteignungsverfahrens zu entscheiden haben, mussten/müssen dann nur noch das Possenstück zu Ende bringen: über ein Ergebnis befinden, das sie ergebnisoffen zu prüfen haben.

Was sich auf den ersten Blick durchaus schwierig bis bipolar anhört, möchte ich an einem (naheliegenden, aber nicht wirklichkeitsnahen) Beispiel durchspielen.

Wahlkampfplakat der CDU in Hessen 2008

Wahlkampfplakat der CDU in Hessen 2008

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Das »letzte Mittel« Folter

Folter führt nicht zur Rettung von Menschenleben, sondern nach Abu Ghraib.

Vor dem Daschner-Prozeß in Frankfurt/Main

Im Zuge einer Fahndung nach Personen, die den elfjährigen Frankfurter Bankierssohn Jakob von Metzler entführt hatten, wurde am 30. September 2002 Magnus Gäfgen als Tatverdächtiger festgenommen und vernommen. Tags darauf ordnete der Polizeivizepräsident in Frankfurt am Main Wolfgang Daschner die Androhung der Folter und gegebenenfalls deren Anwendung an. Man wollte den Tatverdächtigen »zum Sprechen bringen«. Noch am selben Tag dokumentierte Daschner diesen Rechtsbruch in einer Aktennotiz und informierte den zuständigen Staatsanwalt Rainer Schilling.
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