Kelsterbach. „Auch wenn wir nicht verhindern konnten, dass die Startbahn West gebaut wurde, so haben wir doch lang anhaltende Auswirkungen erreicht“, sagte Wolf Wetzel zum Abschluss seiner Lesung bei den Waldbesetzern. Der Aktivist der 1980er Jahre, wie er sich selbst bezeichnet, las im Kelsterbacher Wald aus seinem Buch „Die tödlichen Schüsse an der Startbahn West“.
Die mit Spannung verfolgten Passagen und Bilddokumentationen mündeten in eine angeregt geführte Diskussion mit abschließender Kampfansage an die Fraport AG. „Das Umfeld wartet auf ein Signal. Und wenn wir nur als Sand im Getriebe erreichen, dass der Flughafenausbau wieder ein paar Jahre verzögert wird, haben wir schon viel geschafft“, sagte ein Mitstreiter. Die Verzögerung könnte zudem wegen verschiedener sich schnell ändernder Gegebenheiten sogar ein Überdenken der Notwendigkeit des Ausbaues nach sich ziehen.
Die Szenerie ist richtig idyllisch. Zwischen Bäumen ist eine große Plane gespannt, im Halbrund sitzen Menschen jeden Alters auf Bänken, die aus Naturmaterialien gefertigt wurden. Ein kleines Aggregat sorgt für den Energiebedarf von wenigen bunten Lampen und einem Beamer. Unter einer spärlichen Glühbirne steht Wolf Wetzel und zitiert prägnante Passagen aus seinem Buch. Diesmal geht es um die neue Landebahn Nordwest bei Kelsterbach, die nach dem Willen von Fraport, der Landes- und der Bundesregierung dringend benötigt werde. Die ersten Flugzeuge sollen just dort landen, wo sich die Waldbesetzer versammelt haben. Die Umweltaktivisten wollen das Projekt verhindern.
„Ich komme eigentlich aus der Hausbesetzerszene der zweiten Generation und dachte damals auch, dass es denen dort draußen nur um ihre eigenen Häuser geht, aber später habe ich erkannt, dass viel mehr auf dem Spiel steht“, schilderte Wetzel seine Zuwendung zu den Bürgerinitiativen. Die Startbahnbewegung sah Wetzel in einem Lager aus Autonomen und Bürgerinitiativen, die sich zwangsläufig zusammenfinden mussten. „Dass dabei manches außer Kontrolle geriet und mit gefällten Strommasten und gar dem Tod zweier Polizisten endete, war so sicherlich nicht gewollt.“
„Aber die Gewalt kam von der anderen Seite, wir mussten uns ja wehren“, warf Joachim Weikhardt in die Diskussion. Nach seiner Ansicht vertreten noch heute viele Initiativen die Meinung, sie hätten damals viel eher und viel massiver vorgehen müssen. „Und genau dies wollen wir hier tun“, rief Weikhardt alle auf, sich am Protest gegen den Ausbau zu beteiligen.
Für den Diplom-Soziologen Dirk Treber waren die Aktionen gegen die Startbahn West auch aus heutiger Sicht ein Erfolg. „In der Folge haben wir weitere schwere Fehler wie die Atomaufbereitungsanlage Wackersdorf oder das Verfüllen der Grube Messel verhindert“, betonte Treber.
Im Zuge des geschärften Umweltbewusstseins seien dann die Smog- und die Ozonverordnungen geschaffen worden. „Wir haben nicht nur Niederlagen hinnehmen müssen, sondern auch bedeutsame Erfolge zu verzeichnen“, sagte Dirk Treber. Das größte Problem sehen die Flughafen-Ausbaugegner in den Betonköpfen, die trotz möglicher Einsicht nicht von ihrem Ausbau-Vorhaben abrücken.
FNP vom 30.06.2008



